„Fenster nach Osteuropa“
Neues Kulturformat im Westpreußischen Landesmuseum eröffnet Räume für Dialog und Entdeckung
Warendorf - Mit einem ambitionierten Kulturprojekt richtet das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf den Blick nach Osten: Vom 9. November 2025 bis zum 18. Januar 2026 lädt das Museum erstmals zum „Warendorfer Fenster nach Osteuropa“ ein – einer neuen, jährlich wiederkehrenden Veranstaltungsreihe, die Geschichte, Gegenwart und Kultur der Länder Osteuropas in den Mittelpunkt stellt. Zwei Ausstellungen, drei Vorträge, zwei Lesungen und ein Workshop eröffnen vielfältige Perspektiven auf ein oft unterschätztes, aber hochaktuelles Themenfeld.
„Wir wollen Brücken bauen – zwischen Westfalen und Osteuropa, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft“, sagt Museumsleiter Martin Koschny. Mit dem neuen Format entsteht in Warendorf ein Forum für Austausch, Reflexion und Begegnung – genau dort, wo Geschichte und Gegenwart einander berühren.
Berührende Geschichte und aktueller Mut
Den Auftakt bildet am 9. November um 16 Uhr die Eröffnung der Ausstellung
„‚Aus der Ferne in meine Ukraine‘. Briefe der Zwangsarbeiterin Hanna Pastuch aus Gelsenkirchen, 1942–1943“.
Sie wurde von der ukrainischen NGO After Silence in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen entwickelt und beleuchtet das Schicksal ukrainischer Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg – ein Kapitel, das lange im Schatten der europäischen Erinnerungskultur stand.
Nur wenige Tage später, am 15. November um 17 Uhr, wird die zweite Ausstellung eröffnet:
„‚I am not afraid, let them be afraid!‘ – Ales Bialiatski“.
Sie ist dem belarussischen Friedensnobelpreisträger und Menschenrechtsaktivisten gewidmet, der seit Jahren für Demokratie und Freiheit in Belarus kämpft. Eindrucksvoll zeigt die Schau, wie mutiger Widerstand Hoffnung stiften kann.
Ein Programm zum Mitdenken und Mitreden
Begleitend zu den Ausstellungen bietet das Museum ein dichtes Veranstaltungsprogramm.
Am 25. November (18 Uhr) lädt Dr. Marcin Wiatr das Publikum zu einer literarischen Reise durch Galizien ein – eine Region voller kultureller Verflechtungen zwischen Polen, der Ukraine und Mitteleuropa.
Am 16. Januar 2026 (18 Uhr) liest Ira Peter unter dem Titel „Deutsch genug?“ aus ihren Texten über Identität und Wahrnehmung der Russlanddeutschen – persönlich, nachdenklich und aktuell.
Drei weitere Vorträge beleuchten Geschichte und Gegenwart Osteuropas aus wissenschaftlicher Perspektive:
- 4. Dezember (18 Uhr): Osteuropa und die slawische Welt – Die Vielfalt Europas im Osten, mit Martin Koschny M.A.
- 18. Dezember (18 Uhr): Der schwierige Weg der Ukraine zu sich selbst – Zeithistorische Prozesse zwischen Krieg und Reform, mit Prof. Dr. Klaus Gestwa
- 7. Januar 2026 (18 Uhr): Zwei ungleiche Brüder – Die Geschichte der Ukraine und die russisch-ukrainischen Beziehungen, mit Prof. Dr. Ricarda Vulpius
Ein interaktiver Workshop am 12. Dezember (17 Uhr) lädt schließlich zur aktiven Auseinandersetzung ein: Unter Leitung von Martin Koschny diskutieren die Teilnehmenden über den Mythos „Deutscher Orden“ und die Frage, wie Geschichte in Polen und Deutschland unterschiedlich erzählt wird – ein Thema, das beispielhaft für Europas geteilte Erinnerungskulturen steht.
Warendorf öffnet ein Fenster zur Welt
Mit dem neuen Format positioniert sich das Westpreußische Landesmuseum einmal mehr als Ort der offenen Begegnung. „Das ‚Fenster nach Osteuropa‘ ist eine Einladung, zuzuhören, mitzudenken und sich auf andere Perspektiven einzulassen“, heißt es aus dem Museumsteam.
Das Programm zeigt, dass Geschichte nicht im Archiv verstaubt, sondern mitten in der Gegenwart wirkt – und dass kulturelle Verständigung genau dort beginnt, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
Weitere Informationen und das vollständige Programm finden sich unter
👉 www.westpreussisches-landesmuseum.de













