Feierstunde würdigte die 75-jährige Geschichte des Theaters am Wall
Vom Lichtspielhaus zum kulturellen Wohnzimmer als pulsierendes Kulturzentrum
Warendorf - Das Theater am Wall ist nicht einfach „nur“ eine Spielstätte, sondern vielmehr das „kulturelle Wohnzimmer“ Warendorfs. Das wurde auf der jüngsten Feierstunde zum 75-jährigen Jubiläum mehr als deutlich. Moderiert von Kabarettist Thomas Philipzen, entfaltete sich am Samstagabend die wechselvolle und beeindruckende Geschichte des Hauses in ihrer ganzen Breite.
Der Grundstein für den Kulturbetrieb wurde mit einem Paukenschlag gelegt. Nur dreieinhalb Monate nach Baubeginn im Jahr 1950, eröffnete das TaW als modernes Lichtspielhaus seine Pforten. Das Publikum strömte in Massen; angeführt von Pionieren wie Theodor Sparenberg und Heinrich Heiker, zählte man in den ersten zehn Jahren unglaubliche 1,7 Millionen Gäste. Der erste Film, „Föhn/Sturm in der Ostwand“ mit Liselotte Pulver, markierte den Start dieser Ära.
Dank bürgerschaftlichen Engagements hat das Haus den Niedergang des Kinos bisher nicht nur überlebt, sondern sich im besten Sinne weiterentwickelt. Im Gespräch mit Philipzen betonten die Mitgründer des TaW e.V., Birgit Lücke und Laurenz Sandmann, dann auch die zentrale Rolle des Vereins, der maßgeblich dazu beigetragen hat, das Theater und damit den Spielbetrieb für die Emsstadt zu erhalten. Die Bedeutung des Hauses wurde auch durch die Wertschätzung von Politik und Verwaltung untermauert, ohne die beispielsweise keine Fördergelder hätten beantragt werden können. Bürgermeister Peter Horstmann ließ es sich nicht nehmen, das unermüdliche Ehrenamt als Garant für den Fortbestand zu würdigen.
Eine spontane Ehrenbekundung aus dem Publikum durch Winfried Totzek, „das steht so nicht im Programm“, galt schließlich dem früheren Bürgermeister Jochen Walther. Totzek hielt eine Dankesrede für Walthers langjährigen Einsatz unter anderem als Moderator und Initiator der Reihe „Lieder gegen den Krieg“.
Für die persönlichen Noten im Theaterbetrieb hatten sich jahrelang Hildegard Selbmann (Urgestein) und der ehemalige Kulturamtsleiter Horst Breuer unermüdlich eingesetzt und dem Theater damit in der Schauspielerszene einen guten Namen erarbeitet. Philipzen selbst gestand schmunzelnd seine Vorliebe für Selbmanns berühmte Tomatensuppe ein. Gleichzeitig beleuchteten Anekdoten, wie eine Wärmflasche für Götz George oder die Versorgung kranker Schauspieler, die menschliche Seite hinter den Kulissen des Theaterbetriebs.
Abschließend blickte Birgit Lücke in die Zukunft: Wenn die Ära der Künstlichen Intelligenz (KI) sich lege, werde das gemeinsame Miteinander im TaW wieder an oberster Stelle stehen. Das TaW feierte also nicht nur seine wechselvolle und spannende Geschichte, sondern blickte optimistisch auf eine Zukunft, in der das unmittelbare Kulturerlebnis unverzichtbar bleiben wird.













