Warendorf - Wo erledigen die Warendorferinnen und Warendorfer künftig ihre Behördengänge? Wo werden Stadtbücherei, Tourist-Information und Volkshochschule in einigen Jahren zu finden sein? Und vor allem: Was passiert mit städtischen Immobilien, die anschließend nicht mehr benötigt werden – darunter das denkmalgeschützte Alte Lehrerseminar an der Freckenhorster Straße?
Mit dem jetzt vorgelegten „Zukunftspaket Warendorf 2035“ möchte die Stadtverwaltung ihre Strukturen grundlegend neu ordnen. Verwaltungsbereiche sollen zusammengeführt, Personal- und Flächenaufwand reduziert und mehrere bislang städtisch genutzte Standorte für andere Nutzungen geöffnet werden.
Das Konzept enthält dabei durchaus spannende Ideen für die Zukunft Warendorfs. Gleichzeitig wirft es aber Fragen auf – insbesondere dort, wo es um städtisches Eigentum und Gebäude geht, die für das Stadtbild und die Geschichte Warendorfs eine besondere Bedeutung haben.
Ein zentraler Verwaltungscampus für Warendorf
Eine der größten Veränderungen könnte rund um die Lange Kesselstraße stattfinden. Dort soll nach den Vorstellungen der Verwaltung ein zentraler Verwaltungscampus entstehen.
Statt verschiedene Ämter und Dienstleistungen über mehrere Standorte in der Stadt zu verteilen, sollen möglichst viele Angebote an einem Ort gebündelt werden. Unter anderem ist vorgesehen, den Abwasserbetrieb und das Dezernat III von der Freckenhorster Straße an die Lange Kesselstraße zu verlagern.
Als Orientierung dienen der Stadt bewährte Strukturen niederländischer Rathäuser. Nach dem Prinzip eines „One-Stop-Shops“ sollen Bürgerinnen und Bürger möglichst viele Dienstleistungen an einer zentralen Stelle erhalten.
Für die Warendorfer könnte das künftig bedeuten: kürzere Wege und eine zentrale Adresse für zahlreiche Behördengänge.
Stadtbücherei und Tourist-Information könnten aufs Brinkhausgelände ziehen
Eine weitere große Veränderung betrifft die Stadtbücherei. Sie könnte ihren bisherigen Standort an der Kurzen Kesselstraße verlassen und gemeinsam mit der Tourist-Information auf das Brinkhausgelände ziehen.
Dort soll nach den Vorstellungen der Verwaltung ein neuer „Bürgercampus“ entstehen.
Die Stadtbücherei könnte dabei ihren bereits eingeschlagenen Weg von einer klassischen Bücherei hin zu einem öffentlichen Ort für Lernen, Begegnung und Kultur deutlich ausbauen. Die Tourist-Information soll gleichzeitig als gut sichtbarer Anlaufpunkt und eine Art Eingangstor zwischen Brinkhausgelände und Warendorfer Altstadt dienen.
Damit für das Vorhaben möglicherweise Fördermittel genutzt werden können, müsste der Bürgercampus noch 2026 in das geplante ISEK für das Brinkhausgelände aufgenommen werden.
VHS könnte an die Kurze Kesselstraße zurückkehren
Durch den möglichen Umzug der Stadtbücherei würde gleichzeitig Platz für die Volkshochschule entstehen. Die VHS soll nach dem Vorschlag der Verwaltung ihren Standort an der Freckenhorster Straße verlassen und in das heutige Büchereigebäude an der Kurzen Kesselstraße ziehen.
Für die Volkshochschule wäre das eine Rückkehr an einen bekannten Ort, denn sie war bereits früher dort untergebracht.
So greifen mehrere Teile des Zukunftspakets ineinander: Die Bücherei und Tourist-Information ziehen zum Brinkhausgelände, die VHS übernimmt den bisherigen Büchereistandort und Teile der Verwaltung werden an der Langen Kesselstraße zusammengeführt.
Und was passiert mit dem Alten Lehrerseminar?
Genau an diesem Punkt bekommt das Zukunftspaket jedoch eine weitere Dimension.
Denn wenn Verwaltung und VHS die Freckenhorster Straße verlassen, wird mit dem Alten Lehrerseminar ein denkmalgeschütztes und für Warendorf prägendes Gebäude frei.
Nach den Vorstellungen der Verwaltung sollen nicht nur dieser Standort, sondern auch die Franziskusschule sowie städtische Standorte an der Hermannstraße und Klosterstraße für eine Vermarktung vorbereitet werden. Damit sollen unter anderem private Investitionen ermöglicht werden.
Als mögliche zukünftige Nutzungen nennt die Verwaltung Wohnen, seniorengerechte oder betreute Wohnformen sowie Dienstleistungen.
Doch gerade beim Alten Lehrerseminar dürfte die Frage nach der Zukunft des Gebäudes über eine reine Immobilienentscheidung hinausgehen.
Verkauf bringt Geld – aber städtisches Eigentum ist anschließend weg
Eine Vermarktung städtischer Immobilien kann der Stadt finanzielle Spielräume eröffnen und private Investitionen ermöglichen. Gleichzeitig bedeutet ein möglicher Verkauf aber auch: Einmal veräußertes städtisches Eigentum steht kommenden Generationen nicht mehr ohne Weiteres zur Verfügung.
Beim denkmalgeschützten Alten Lehrerseminar kommt hinzu, dass es sich nicht um irgendeine frei werdende Fläche handelt. Das Gebäude gehört seit langer Zeit zum Warendorfer Stadtbild und besitzt eine besondere historische Bedeutung.
Deshalb dürfte eine entscheidende Frage lauten: Soll ein solches Gebäude tatsächlich verkauft werden – oder wäre eine langfristige Entwicklung im Eigentum der Stadt die bessere Lösung?
Auch die konkrete Ausgestaltung einer möglichen Vermarktung dürfte von Interesse sein. Welche Vorgaben würde die Stadt einem privaten Investor machen? Wie wird sichergestellt, dass Charakter und Bedeutung des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten bleiben? Und welchen Einfluss hätte die Stadt nach einem Verkauf noch auf die langfristige Nutzung?
Antworten auf diese Fragen liefert das Zukunftspaket in diesem frühen Stadium noch nicht.
Chance für neuen Wohnraum – aber zu welchem Preis?
Grundsätzlich können frei werdende Verwaltungsstandorte eine große Chance für Warendorf sein. Gerade zusätzlicher Wohnraum, seniorengerechte Wohnungen oder neue Dienstleistungen könnten an geeigneten Stellen einen echten Mehrwert schaffen.
Doch zwischen der Entwicklung einer Immobilie und ihrem Verkauf besteht ein wichtiger Unterschied.
Deshalb wird die politische Diskussion vermutlich nicht nur darum gehen, was auf diesen Flächen künftig entstehen kann, sondern auch darum, wem diese Immobilien in Zukunft gehören sollen.
Gerade beim Alten Lehrerseminar könnte diese Frage besondere Aufmerksamkeit verdienen.
25 Stellen und 20 Prozent Verwaltungsfläche weniger
Hinter dem gesamten Zukunftspaket stehen auch klare finanzielle Vorgaben.
Im Rahmen des „Masterplans Finanzen“ soll der Stellenplan der Stadtverwaltung bis 2035 gegenüber dem heutigen Stand um mindestens 25 Vollzeitstellen reduziert werden.
Gleichzeitig möchte die Stadt die von der Verwaltung genutzten Flächen um mindestens 20 Prozent verkleinern.
Die Zentralisierung soll somit nicht nur den Bürgerservice verändern, sondern langfristig auch dazu beitragen, die Verwaltung wirtschaftlicher aufzustellen und Kosten zu reduzieren.
Jetzt beginnt die politische Diskussion
Noch ist allerdings nichts endgültig entschieden. Die Verwaltung schlägt der Politik zunächst einen Grundsatzbeschlussvor, um das Zukunftspaket weiter ausarbeiten zu können.
Der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss beschäftigt sich am 21. September 2026 mit der Vorlage. Die Entscheidung des Rates ist für den 1. Oktober 2026 vorgesehen.
Bis dahin und sicherlich auch darüber hinaus dürfte vor allem eine Frage für Gesprächsstoff sorgen:
Wie weit soll Warendorf bei der Neuordnung seiner Verwaltung gehen – und welche städtischen Immobilien möchte die Stadt dafür dauerhaft aus der Hand geben?
Ein Verwaltungscampus an der Langen Kesselstraße, ein Bürgercampus mit Bücherei und Tourist-Information auf dem Brinkhausgelände sowie eine neue Heimat für die VHS bieten interessante Perspektiven. Gleichzeitig sollte bei allen finanziellen und organisatorischen Vorteilen genau hingeschaut werden, wenn es um die Zukunft wertvoller städtischer Immobilien geht.













