12. Februar 2019 / Allgemein

Warendorfer Marktplatz erneut Baustelle

Erster Einsatz von „WIWA – Wirtschaft für Warendorf“

Veröffentlicht am 12. Februar 2019 um 06:15 Uhr

Erinnern Sie sich? Knapp ein Jahr lang war Warendorfs „Gute Stube“, der historische Marktplatz, eine Baustelle. Für Touristen und Warendorfer ein trauriges Bild, für die Gastronomen wirtschaftlich eine Katastrophe.

Daran knüpfen die neuen Planungen der Stadtverwaltung an. Allerdings geht es dieses Mal nicht um ein hubbeliges Kopfsteinpflaster, sondern um Stolpersteine, die der Kämmerer den Gastronomen in den Weg legen möchte. Die Gebühren für die „Sondernutzung Außengastronomie“ sollen für den Marktplatz von 3,50€/Quadratmeter um mehr als 70 Prozent auf 6,00€ angehoben werden. Mit dieser Vorlage musste sich heute der Hauptausschuss auseinandersetzen und einige der Ratsmitglieder waren erstaunt, dass ihnen dazu wichtige Fakten fehlten.

Die steuerte die jüngst gegründete Institution „WIWA – Wirtschaft für Warendorf“ bei. Mehrere Gastronomen und Geschäftsleute waren zur öffentlichen Ausschusssitzung erschienen und konnten dort den anwesenden Ratsmitgliedern wichtige Zusatzinformationen zu den Plänen liefern. Bürgermeister Axel Linke unterbrach aus rechtlichen Gründen hierzu jeweils die Sitzung. Christoph Berger stellte die geplante Quadratmetergebühr in Relation zu anderen Orten. Beckum 2,40€, Gütersloh 3,60€, Tecklenburg 4,00€, Soest 4,50€, Münster (Prinzipalmarkt) 7,00. Mit 6,00€ würde es Warendorf in die Top Ten der teuersten Städte in NRW schaffen. Der Schnitt der Städte über 60.000 Einwohner liege bei gerade einmal 3,70€. Noch ein Vergleich: Die Gebühr für den schönen, ebenfalls frisch renovierten Telgter Marktplatz beträgt: 0,00€ (in Worten: Null, nix, nada).

Null, nix, nada sei auch vor 2011 auf dem Marktplatz los gewesen, erinnerten Toni Pisanelli und Anita Rendón die Ausschussmitglieder. Lange Jahre habe sie auf Leben auf dem Marktplatz gewartet, so Rendón. Die Gastronomen seien es gewesen, die zur Belebung beigetragen haben und damit dem Tourismus und nicht zuletzt der Altstadtentwicklung einen ordentlichen Antrieb geliefert haben. Die Gastronomen hätten erst die Frequenz geschaffen, die in der Marktplatzrenovierung gemündet habe, so Pisanelli. Halil Basaran (Extrablatt) führte an, dass sich die Einnahmen im Sommer meist nur von drinnen nach draußen verlagerten. Die Miete für Drinnen laufe aber trotzdem weiter. Carl Pinnekamp sprach für WIWA und appellierte für eine für alle Beteiligten tragbare Lösung.

Die Gastronomen zeigten sich enttäuscht, dass sie beinahe vor vollendete Tatsachen gestellt worden wären. Das sah Dr. Beate Janinhoff (FDP) ähnlich. Sie zeigte sich, ebenso wie Jessica Wessels (Grüne) überrascht über die Informationslücken. Obwohl Kämmerer Dr. Thormann aus verwaltungsrechtlichen Gründen auf eine schnelle Entscheidung drängte, beschloss der Ausschuss, dass die Fraktionen ihre bisher gefassten Meinungsbilder kurzfristig anhand der neuen Informationen überdenken.
WIWA hat heute deutliche Warnschilder für diese Baustelle aufgestellt und damit ein positives Zeichen für das junge Warendorfer Wirtschaftsnetzwerk gesetzt.

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