27. Oktober 2021 / Allgemein

Zuversicht trotz zunehmender Risiken

Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen

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Veröffentlicht am 27. Oktober 2021 um 00:00 Uhr

Zuversicht trotz zunehmender Risiken

Konjunkturumfrage der IHK Nord Westfalen

Die nord-westfälische Wirtschaft hat den Konjunktureinbruch durch die Corona-Pandemie weitgehend überwunden, wird jedoch bei ihrem Aufschwung durch Lieferengpässe, Fachkräftemangel sowie massiv gestiegene Energie- und Rohstoffpreise ausgebremst. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, die die IHK Nord Westfalen heute (26. Oktober) in Münster veröffentlicht hat. „Trotz erheblicher Unsicherheiten sind die Unternehmen zuversichtlich, dass sich die Erholung fortsetzt“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel die Ergebnisse der Umfrage, an der sich 330 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region beteiligten. „Die Stimmung in der Wirtschaft ist größtenteils gut, das Konjunkturklima insgesamt sogar besser als vor Ausbruch der Corona-Krise“, betont Jaeckel.

Entsprechend ist der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die derzeitige Geschäftslage und die Zukunftserwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, um 13 Punkte auf 128 Punkte gestiegen. Damit liegt er deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Nur noch sieben Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht, 49 Prozent bewerten sie als gut. „Es sind deutliche Aufholeffekte erkennbar“, kommentiert Jaeckel die Entwicklung gegenüber vorherigen Umfragen während der Corona-Krise. Vor einem Jahr war die Lage für jedes vierte Unternehmen schlecht, im Frühjahr 2020 sogar für fast 40 Prozent der Unternehmen.

„Auch das Potenzial für weiteres Wachstum ist nach Einschätzung der Unternehmen grundsätzlich vorhanden“, berichtet Jaeckel. Denn 28 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich ihre Geschäfte auf ohnehin verbesserter Ausgangsbasis weiter positiv entwickeln, nur 13 Prozent erwarten, dass sie in den nächsten Monaten schlechter laufen. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2020 kurz nach Ausbruch der Corona-Krise ging noch jedes zweite Unternehmen davon aus, dass sich die Lage weiter verschlechtert.

Doch die weitergehende Erholung der regionalen Wirtschaft steht auf unsicheren Beinen. „Der konjunkturelle Schwung wird gedrosselt durch wachsende Risiken, die die Unternehmen sehr konkret spüren“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Konjunkturrisiko Nummer 1 ist der Fachkräftemangel: Für über 70 Prozent der Unternehmen birgt er die größten Risiken für die weitere Entwicklung des eigenen Unternehmens. „Das ist ein historischer Höchststand in den IHK-Umfragen“, machte Jaeckel klar. Vor Ausbruch der Corona-Krise lag der Anteil gut zehn Prozentpunkte niedriger.

Auf Platz zwei im Ranking der Konjunkturrisiken liegen die Energie- und Rohstoffpreise. Sie haben massiv zugelegt in der Risikobewertung durch die Unternehmen: 59 Prozent sehen die steigenden Preise als eines der größten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Zwei Jahre zuvor lag der Anteil nur bei 24 Prozent, kurz nach Ausbruch der Corona-Krise bei 12. Vor allem in der Industrie wird dieser Risikofaktor aktuell so hoch gewichtet wie nie (80 Prozent).

Unsicherheit geht auch vom Außenhandel aus. Grundsätzlich sieht die IHK die Exportwirtschaft auf Erholungskurs, auch wenn der Auslandsumsatz im ersten Halbjahr 2021 mit 8,1 Milliarden Euro noch deutlich unter dem Vergleichswert von 2019 bleibt (8,9 Milliarden Euro). Aber immerhin jeder vierte Betrieb rechnet laut IHK-Umfrage mit höheren Exporten in den nächsten Monaten. „Ob sich daraus tatsächlich konjunktureller Schub entwickeln kann, bleibt unklar“, so Jaeckel, zumal das Auslandsgeschäft seit der Finanzkrise mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen habe. Viele Unternehmen müssten Lieferketten und Beschaffungsstrategien neu justieren. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten aus dem Ausland ist nach IHK-Einschätzung eher davon auszugehen, dass die Exporte der regionalen Wirtschaft nicht mit der anziehenden Nachfrage schritthalten können.

Als „ein herausragendes Ergebnis“ der Konjunkturumfrage und Zeichen für eine Trendwende wertet die IHK die deutlich gestiegene Investitionsbereitschaft der Unternehmen. 35 Prozent planen mit höheren Ausgaben am heimischen Standort in den nächsten Monaten. In der Industrie ist es sogar fast die Hälfte (47 Prozent). Als Gründe nennt Jaeckel neben dem Nachholbedarf aus der Corona-Krise und den Reaktionen auf die Lieferprobleme im globalen Warenaustausch die Digitalisierung und den Klimaschutz: „Der Investitions- und Innovationsdruck, um den Digitalisierungsrückstand aufzuholen und die Vorgaben für den Klimaschutz einzuhalten, dürfte noch weiter steigen.“

Und schließlich steigt mit erhöhter Investitionsbereitschaft und verbesserter Geschäftslage auch die Nachfrage nach Fachkräften deutlich an. Das zeigt nicht nur die starke Wahrnehmung des Fachkräftemangels als Konjunkturrisiko. Fast jeder dritte Betrieb plant in den nächsten Monaten, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen. Damit liegt auch die Einstellungsbereitschaft höher als vor zwei Jahren, vor dem Ausbruch der Corona-Krise.

Internet-Tipp: Kompletter IHK-Konjunkturbericht: www.ihk-nw.de/konjunktur

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