7. März 2020 / Allgemein

Extreme Desinfektionsmittel-Nachfrage durch Eigenproduktion gelöst

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie…

Extreme Desinfektionsmittel-Nachfrage durch Eigenproduktion gelöst

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie…

Früher nannte man sie respektlos „Pillendreher“. Momentan drehen die Apotheker – nicht nur hier in der Region – eher am Rad. Denn die Kunden drehen durch, was die Nachfrage an Mundschutzmasken und Desinfektionsmitteln betrifft. Seit Ausbruch des (Achtung Wortspiel:) „Coronafiebers“ ist die Nachfrage nach diesen Artikeln extremst gestiegen. So extrem, dass fertig konfektionierte Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion deutschlandweit ausverkauft sind.

„Es hat einen regelrechten Run gegeben“ erinnert sich Markus Neddermeyer, Apotheker in der Stifts-Apotheke in der Neuen Mitte von Freckenhorst. Deren Inhaber Ralf Eversmeyer hat daher vorausschauend sofort einen gewissen Vorrat angelegt, der sich jetzt für die besorgten Kundinnen und Kunden bezahlt macht.

Denn seit drei Tagen ist den Apothekern im Kreis Warendorf wieder erlaubt, was eigentlich ohnehin zu zu den Kernaufgaben der Akademiker gehört, die nicht umsonst ein langjähriges Studium für ihren Beruf absolviert haben. Das Kreisgesundheitsamt hat wegen der augenblicklichen Situation das Rad der Zeit etwas zurückgedreht und die seit einigen Jahren geltende neue „Biozidverordnung“ teilweise außer Kraft gesetzt. Diese verbot den Apothekern die Herstellung von Flächendesinfektionsmitteln auf Ethanol- und Isopropanolbasis. Eine Erlaubnis hierfür zu bekommen war (sehr) teuer und lohnte sich für Apotheken in der Regel nicht, so dass die Pharmazeuten auch die Mittel, mit der sie ihr Labor desinfizieren, fertig zukaufen mussten. Markus Neddermeyer spricht von einer „gewissen Absurdität“ wenn er an dieses Verbot denkt, denn die eigentliche Erlaubnis zum „Pillendrehen“ bestand und besteht ja weiterhin. „Wir fertigen viele Cremes und Salben die nicht fertig konfektioniert erhältlich sind, beispielsweise nach Rezepturen von Hautärzten“, erläutert er. Auch für Kinder stellen Apotheker nach wie vor Lösungen her oder verringern die Dosierung bestimmter Medikamente und füllen diese dann in Kapseln ab. Das klassische „Pillendrehen“ gehört noch immer zu den wichtigen Aufgaben der Apotheker!

Jetzt dürfen sie also auch wieder Desinfektionsmittel herstellen. Nach ganz klassischer Rezeptur, mit Alkohol und einem rückfettenden Bestandteil. Markus Neddermeyer zeigt, wie einfach das geht. Hierzu mischt er auf der Waage die entsprechenden Flüssigkeiten. Er muss nichts schmelzen, nichts erwärmen. „Abwiegen ist wichtig“, sagt er, weil „die Milliliter Angaben durch Volumenkontraktion weniger genau sind“. Der Mann stellt die Kenntnisse aus seinem Studium unter Beweis. Den notwendigen Vorrat an Glasflächen war in der Stifts-Apotheke noch vorhanden.

„Für den Verkauf haben wir uns an den regulären Preisen der Desinfektionsmittel orientiert und einen kleinen Aufschlag für die Laborleistungen mit eingerechnet“, sagt Neddermeyer, der die panikartigen Verhaltensweisen nicht ganz nachvollziehen kann. Er betrachtet die Opferzahlen der jährlichen Grippeepidemien und würde sich vor allem hierbei eine ähnlich hohe Aufmerksamkeit der Bevölkerung und mehr Bereitschaft zur sinnvollen Grippeimpfung wünschen.

Im Moment kann die Stiftsapotheke den Kundinnen und Kunden also noch die entsprechenden wirksamen Desinfektionsmittel anbieten . So lange, bis der Vorrat an Isopropanol aufgebraucht ist. Denn auch dafür bestehen deutschlandweit große Lieferschwierigkeiten. 

Bei Mundschutzmasken muss allerdings auch Neddermeyer passen. Die vorhandenen benötigt der Apotheker im eigenen Labor. Denn abgesehen von den genannten Absurditäten bleibt die Herstellung von Rezepturarzneimitteln reguläre Aufgabe. Und hierbei gilt Hygiene als A und O.

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