6. September 2021 / Allgemein

Enormer Vorsprung im Wettlauf gegen die Zeit

Schlaganfallabteilung im Josephs Hospital Warendorf eröffnet

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Enormer Vorsprung im Wettlauf gegen die Zeit

Schlaganfallabteilung im Josephs Hospital Warendorf eröffnet

Es ist ein winziger Pfropfen geronnenes Blut oder ein kaum sichtbarer Riss in einer Arterie, der das Leben eines Menschen von jetzt auf gleich verändern kann. Ein Schlaganfall oder eine Hirnblutung sind gefürchtete Einschnitte in all das, was Minuten vorher noch Normalität bedeutet hat. Quasi von jetzt auf gleich funktionieren die einfachsten Dinge nicht mehr. Das Krümmen eines Fingers, das Heben eines Beins, Sprechen, Schlucken. Nicht immer so drastisch, aber meist mit drastischen Folgen.

Diese sind um so größer, je später die Behandlung einsetzt. „Time is brain“, sagt der Amerikaner knapp, je mehr Zeit vergeht, desto mehr Gehirnzellen sterben ab. Deshalb soll schnell beginnen, die gesetzliche Regelung sieht vor, dass Patienten innerhalb von 30 Minuten in eine hierfür ausgerüstete Spezialabteilung kommen sollen.

Wer die Strecken aus dem Norden des Kreises nach Münster kennt, der weiß, dass selbst das lauteste Martinshorn und das hellste Blaulicht den Stau zu Hauptverkehrszeiten nicht wegzaubern können. Auch nach Ahlen, wo am St. Franziskus Hospital ebenfalls eine sogenannte besteht, ist die vorgegebene Zeit meist nicht haltbar.

Daher war es – im doppelten Wortsinn – eine Frage der Zeit, wann (endlich) eine Stroke-Unit, eine Schlaganfallabteilung, in Warendorf etabliert wird. Seit dem heutigen Montag, 6. September 2021, ist es soweit. Die neue, an die Intensivstation und die Kardiologie des Josephs-Hospital angeschlossene Abteilung hilft, das Leben der Menschen im Norden des Kreises Warendorf ein ganzes Stück sicherer zu machen.

Weder ist die Abteilung besonders groß, noch erfordert sie eine besondere Ausstattung besonderer medizinischer Gerätschaften. Einmal abgesehen von einem weiteren Computertomographen, den das MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner, die Radiologische Praxis im Krankenhaus, zur Verfügung stellt. Mit dieser Hilfe kann schnell entschieden werden, ob der Auslöser des vermuteten Schlaganfalls ein Thrombus, also eine verstopfte Hirnarterie oder – in rund 20% der Fälle – eine Hirnblutung ist. Diese Unterscheidung ist lebenswichtig, denn die medikamentöse Blutverdünnung zur Auflösung eines Thrombus, hätte bei einer Blutung tödliche Folgen.

Quasi zeitgleich mit der Diagnostik beginnen weitere Therapien, weiß Gesundheits- und Krankenpflegerin Katharina Kreickmann, die Leiterin der Stroke-Unit. Möglichst schnell soll dem Körper die „Erinnerung“ an gewohnte Tätigkeiten, wie beispielsweise das Krümmen eines Fingers, das Bewegen eines Beines oder das Schlucken, wiedergegeben bzw. erhalten werden.

Das Besondere der Stroke-Unit ist also die fachliche Kompetenz in der Diagnostik und Behandlung, daher ist sie üblicherweise der neurologischen Abteilung des Krankenhauses angegliedert – die Warendorf nicht hat. Dieses Problem konnte nach langen Verhandlungen durch eine Kooperation mit der Franziskus Stiftung gelöst werden. So ist die Patientenversorgung in den Kernarbeitszeiten durch Zusammenarbeit eines Neurologen des Herz-Jesu Krankenhauses Münster-Hiltrup mit den Kardiologen des Warendorfer Krankenhauses sichergestellt. Die Wochenendvisite erfolgt ebenfalls mit Neurologen aus Hiltrup und Ahlen. In der übrigen Zeit steht ein ganzes Team von neurologischen Fachärzten 365 Tage im Jahr telemedizinisch für eine kompetente Versorgung durch Spezialisten rund um die Uhr in Bereitschaft. Keine aufwendige Medizintechnik, die wie in US-Fernsehserien dramatisch flimmert, blinkt, piepst und hupt, sondern eine gleichermaßen aufwendige Technik, die stattdessen absolut datenschutzkonform hochmoderne Telemedizin verwirklicht. 

Die neue Station wurde am Samstag mit großem Bahnhof eingeweiht. Die stellvertretende Kuratorin des Josephs-Hospitals Doris Kaiser begrüßte gerne den Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, der dem Krankenhaus bereits beim 175-jährigen Jubiläum im Jahr 2018 die Einrichtung einer Stroke-Unit zugesagt hatte. „Diese Zusage war das größte Geschenk, das Sie uns machen konnten“, versicherte sie.

In der von ihm bekannten eher rustikalen Art bemängelte kritisierte der Angesprochene die lange Dauer des Prozesses. „Für vier Betten vier Jahre“, habe das System benötigt. „Das macht deutlich, dass wir in der Krankenhausplanung so nicht weiter machen können“, bekräftigte der Minister und forderte schnellere Prozesse und kürzere Fristen. Kooperationen zwischen Krankenhäusern – die Rechtsform interessiere ihn dabei gar nicht – seien in Zukunft wesentlich häufiger nötig, um eine breite Gesundheitsversorgung in der Fläche und den Erhalt ländlich gelegener Krankenhäuser sicherzustellen. Er freue sich trotz allem, dass die Umsetzung gelungen sei und wies auf die bisher lange dauernden Transporte von Patienten während der Hauptverkehrszeiten hin. Die seien mit den vorgegebenen 30 Minuten nicht in Einklang zu bringen.

Diese Entfernungen, räumlich wie zeitlich,  betonte auch Landrat Dr. Olaf Gericke, der zugleich auf die große Bedeutung kompetenter Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum hinwies. Von den 17 Millionen Menschen in NRW lebten „10 Millionen so wie wir, die leben eben nicht alle in Oberzentren“. Die politische Erwartung an eine weitere Landflucht hätte sich nicht erfüllt, im Gegenteil. Nicht zuletzt die Entwicklungen der jüngsten Zeit, mit Glasfaserausbau, Lockdown und Home-Office zeigten, dass der ländliche Raum auch deutlich an Attraktivität gewonnen habe. Die Preise in den Oberzentren seien zudem für eine Ansiedlung für viele Menschen schlichtweg nicht mehr erschwinglich, so Gericke

Auch Bürgermeister Peter Horstmann, im Privaten von einer derartigen Situation betroffen, dankte dem Minister und den Verantwortlichen für deren Engagement zur Einrichtung der Station. Im Anschluss erläuterte Dr. Daisy Hünefeld von der Franziskus Stiftung die Einzelheiten der Kooperation und wies auf die ebenfalls zur Franziskus Stiftung gehörende Klinik Maria Frieden in Telgte hin, wo mit einer wohnortnahen  stationären Anschluss-Rehabilitation die gesamte stationäre Versorgungskette dargestellt werden könne.

Peter Goerdeler, Vorstandsvorsitzender im Josephs-Hospital nannte die Stroke-Unit „ein großes Geschenk für die Menschen im Kreis Warendorf und betonte: „Es gibt keinen Zweifel, dass die Stroke-Unit aus geographischen nach Warendorf gehört.“

Noch während seiner Rede zog sich Goerdeler demonstrativ um, denn er wolle nun mit vielen Kollegen umgehend aktive Schlaganfallvorsorge betreiben und am gleichzeitig stattfindenden Emsseelauf teilnehmen.

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