25. Januar 2017 / Gesundheit

Die Konzentrationsfähigkeit mit Neurofeedback steigern

Neurofeedback - Jetzt auch in Warendorf

Die Konzentrationsfähigkeit mit Neurofeedback steigern

Die Konzentrationsfähigkeit mit Neurofeedback steigern

Konzentrationsstörungen, mangelnde Aufmerksamkeit, hohe Ablenkbarkeit – all dies sind Phänomene, die quer über alle Generationen in Erscheinung treten. Dieser geistige und oft auch körperliche „Zappelphilipp“ steckt in vielen Menschen. Oft lauten die Diagnosen „ADS“ oder „ADHS“, oft einfach „Konzentrationsmangel“ und noch viel öfter erfolgt keine ärztliche  Diagnose, weil die Betroffenen und ihre Umwelt sich daran gewöhnt haben und versuchen, sich mit den Konsequenzen zu arrangieren.

Diese Konsequenzen können extrem sein: Begabte Kinder, die in der Schule und Ausbildung nicht mitkommen, weil sie dauernd abgelenkt sind; eigentlich fähige Mitarbeiter, die dadurch ihren Job verlieren; ältere Menschen die man für dement hält, obwohl sie „nur“ Konzentrationsstörungen haben. So paradox das klingt, doch am einfachsten haben es noch diejenigen, deren Störungen auf körperliche Auslöser wie z.B. Schlaganfall, Unfall oder auch Epilepsie zurückzuführen sind, denn hier sind Diagnostik und Akzeptanz der Störung naheliegender.

Wenn eine entsprechende Störung diagnostiziert wird, stehen unterschiedliche Therapien zur Verfügung. Die Werbung füttert mögliche Betroffene mit teuren Nahrungsmittelergänzungen, z.B. kombinierten Vitamin B Präparaten. Die Homöopathie hält unterschiedlichste Kügelchen parat und die Medizin greift, nicht nur bei Kindern, zu Präparaten wie Ritalin, in deren Beipackzettel die Nebenwirkungen eine lange Liste bilden.

Dabei gibt es eine erfolgversprechende jahrtausendealte Therapieform: Belohnung und Strafe! Moderner ausgedrückt: operantes Konditionieren.

Um diesen Mechanismus zu verstehen, muss man die Grundlagen der Störungen verstehen. Denn der „Übeltäter“ ist das Gehirn, in dem bestimmte – mit einem EEG-ähnlichen Verfahren messbare – Frequenzen der Hirnströme im Ungleichgewicht stehen. Das geschieht unbewusst, man spürt es nicht, man kann es aber messen. Und man weiß, dass sich unbewusstes Verhalten steuern lässt – das Experiment, mit dem Pawlow mit Glockenläuten Hunde zum Sabbern brachte, wird in jeder Schule gelehrt.

Hier setzt das Neurofeedback an, eine Form der Ergotherapie, die von den Krankenkassen bis zum 18. Lebensjahr komplett, ansonsten mit den üblichen Zuzahlungen übernommen wird, wenn der Arzt Ergotherapie verordnet. Neurofeedback misst völlig schmerzlos mit Hilfe aufgeklebter Elektroden bestimmte Frequenzen der Gehirnströme. Der angeschlossene Computer erkennt, wenn der Patient dem Geschehen auf dem Monitor nicht mehr aufmerksam folgt und verlangsamt oder stoppt die Vorführung. Die „Belohnung“ ist also quasi der – ungestörte – Film bzw. Spiel oder Puzzle, die „Strafe“ ist, dass es langsamer wird oder gar nicht weitergeht. Dadurch steigert der Patient seine Konzentration wieder, die „Belohnung“ wird vom Gehirn registriert und als positiv gespeichert. Das Gehirn versucht dabei, die verschobenen Frequenzen wieder zu normalisieren. Es lernt, sich durch Strafe und Belohnung selbst zu heilen. Neurofeedback ist durchaus anstrengend, aber nebenwirkungsfrei und für jeden verständlich.

„Ab einem Alter von 6 bis 8 Jahren ist die Mitarbeit der Patienten ausgereift genug, um Neurofeedback anzuwenden“, so Ergotherapeutin Julia Lücker, die in der Praxis für Ergotherapie Thomas Rottkemper an der Oststraße in Warendorf seit einiger Zeit mit Neurofeedback arbeitet. Rund 20 bis 40 Behandlungseinheiten seien notwendig, um von Erfolgen sprechen zu können, erläutert sie. „Wir sind sozusagen das Starter-Kit fürs Gehirn“, lacht sie, es sei wichtig, eine Überleitung in den Alltag zu schaffen. „Das ist immer unsere Aufgabe als Therapeuten“, unterstreicht Thomas Rottkemper „Wir begleiten unsere Patienten!“

Wichtig ist, dass die Patienten den ersten Schritt tun und an ihrer Situation, bzw. der betroffener Kinder, etwas verändern wollen.   Auch z.B. bei Migräne, Tinnitus oder Suchterkrankungen kann Neurofeedback angezeigt sein. Bei Jugendlichen bis 18 Jahren und wenn eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgen soll, muss unbedingt eine ärztliche Verordnung vorliegen. Ältere Patienten können sich auch als Selbstzahler behandeln lassen, was nicht selten ist, denn die verbesserte Konzentrationsfähigkeit ist bei vielen Berufsbildern hilfreich. So trainierte beispielsweise die italienische Fußball-Nationalmannschaft 2006 ganz offiziell mit Neurofeedback.

BU: Angewandte Wissenschaft die hilft und nicht weh tut – Ergotherapeutin Julia Lücker kennt die Erfolge, die eine Neurofeedbackbehandlung bietet

Vielen Dank für die kollegiale Hilfe vom Spökenkieker-Team.

(Foto: Joe Rieder Text: Spökenkieker)

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