23. September 2022 / Allgemein

“Ich möchte Sie nicht beunruhigen!“

Warendorfer Gewerbetreibende informierten sich über die Energiekrise

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“Ich möchte Sie nicht beunruhigen!“

Warendorfer Gewerbetreibende informierten sich über die Energiekrise

Die Stadt hatte geladen, und 75 Gewerbetreibende waren gekommen, um sich über die Lage auf dem Energiemarkt zu informieren. „Das ist ein Zeichen dafür, wie sehr uns dieses Thema unter den Nägeln brennt!“ sagte Bürgermeister Peter Horstmann in seiner Begrüßung. Der Verein „WIWA-Wirtschaft für Warendorf“ und die Stadtwerke Warendorf hatten geladen, Gastgeber war Christoph Berger im „Elsberg Forum“ im Modehaus Ebbers. 

Als erster Redner des Abends erklärte der Geschäftsführer der Stadtwerke, Björn Güldenarm, sehr offen, wie es zu der enormen Kostenexplosion auf dem Gas- und dem Strommarkt kommen konnte. Dabei wurde deutlich, dass es nicht nur die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland sind, die zum Preisanstieg geführt haben. Auch ständig neue Steigerungen der CO²-Umlage, die gestiegene Mehrwertsteuer und andere, politisch bedingte Faktoren, haben einen großen Anteil an der Eskalation. Gas- und Strompreise hängen direkt zusammen, ihre Preisentwicklung verlaufe weitgehend parallel, so Güldenarm. Zwar gebe es verschiedene Szenarien, von denen eines auch langsam sinkende Gaspreise für die kommenden drei Jahre vorsieht. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Preise weiter steigen oder sich mindestens auf diesem hohen Niveau einpendeln. Das wiederum macht drastische Energie-Sparmaßnahmen für die Menschen in Deutschland notwendig. 
Wie Gewerbetreibende sparen können, versuchte Patrick Schütz von der Klimaoffensive des Handelsverband Deutschland HDE e. V. deutlich zu machen. Er stellte seine Berliner Agentur vor und empfahl insbesondere dem Einzelhandel, die Website www.hde-klimaschutzoffensive.de zu besuchen und sich dort über individuelle Einsparpotenziale und mögliche Investitionsförderungsprogramme kundig zu machen. 
Der eindrucksvollste Vortrag des Abends kam aber sicherlich von Martin Schleinhege, Senior PR Consultant der Cyrano Kommunikation GmbH. Er hatte alle Veröffentlichungen der Netzbetreiber und der Ministerien zu der Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalles recherchiert und war auf Basis der vorliegenden Fakten zu einem unangenehmen Ergebnis gekommen: Das Risiko für einen Blackout ist hoch, die Gefahr ist real! „Ich möchte Sie nicht beunruhigen, und ich möchte nichts dramatisieren. Aber ich empfehle Ihnen, sich auf den Fall eines flächendeckenden, länger anhaltenden Stromausfalles vorzubereiten!“ Für die Warendorfer Gewerbetreibenden heißt das konkret, dass sie einen Krisenfahrplan entwickeln sollten, der ihnen in ausgedruckter Form vorliegen sollte. Denn bei einem Blackout funktioniert kein Computer mehr, kein Drucker, nicht mal das Werkstor geht auf. „Ihre Mitarbeiter können Sie nicht erreichen. Wenn denen nicht vorher mitgeteilt wurde, ob sie in den Betrieb kommen sollen oder nicht, entsteht Chaos.“ Damit sei ohnehin zu rechnen, weil aufgrund der mangelhaften Informationslage viele Menschen bei Polizei und Rettungsdiensten anrufen würden. „Das ist eine schlechte Idee, weil die dann genug zu tun haben! Informieren sie sich über ein batteriebetriebenes Radio!“ Die Sicherheitslage würde zunehmend schlechter, auch im Einzelhandel wäre ein Schichtbetrieb sinnvoll, um Plünderungen zu verhindern. Die Trinkwasserversorgung würde zusammenbrechen, Heiz- und Kühlsysteme ausfallen und Sprit würde man, wenn überhaupt, nur noch an wenigen Tankstellen bekommen. Das Handy-Netz würde nach wenigen Stunden ausfallen, die Notstromversorgung von Krankenhäusern nach wenigen Tagen. Türen von Geschäften ließen sich nicht öffnen, und wenn doch, würden weder Kassen noch Warenwirtschaftssysteme funktionieren. Im Zweifelsfall müssten die Händler auf die altbekannte „Kasse in der Zigarrenkiste“ zurückgreifen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, so Schleinhege. 
Die zahlreichen Gäste im Elsberg Forum hatten danach noch reichlich Zeit, das gehörte zu diskutieren. Die Reaktionen waren durchaus geteilt. „Wird schon nicht so schlimm werden“ sagten Einige. Die Allermeisten aber nahmen die Informationen aus der Veranstaltung durchaus ernst. 

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