9. August 2023 / Aus aller Welt

Elf Tote nach Brand in Ferienunterkunft im Elsass

Mehrere erwachsene Menschen mit Behinderung sind in einem abgelegenen Ort im Elsass im Urlaub. Dann bricht in ihrer Unterkunft etwa 50 Kilometer von Freiburg ein Feuer aus. Für viele kommt jede Hilfe zu spät.

Rettungskräfte an der Unglücksstelle. Bei einem Feuer in einer Ferienunterkunft starben elf Menschen.

Zehn Stunden nach dem verheerenden Feuer steigt immer noch Rauch über dem traditionellen Haus im Elsass auf. In der ersten Etage stehen noch verkohlte Holzbalken und Mauern. Zwischen dem Schutt sichern Feuerwehrleute in weißen Ganzkörperanzügen Spuren.

Sie spannen weiße Tücher auf, um den Ort abzuschotten, an dem am frühen Mittwochmorgen elf Menschen ums Leben kamen. Bei den meisten Opfern dürfte es sich um Menschen mit Behinderung handeln. Laut örtlicher Präfektur waren nach dem Feuer zunächst zehn behinderte Menschen und ein Betreuer vermisst worden.

Um 6.33 Uhr, so berichtet es Feuerwehr-Oberstleutnant Philippe Hauwiller, wurden die Rettungskräfte alarmiert. Weniger als eine Viertelstunde später seien die ersten Feuerwehrleute in dem beschaulichen Ortsteil La Forge von Wintzenheim vor Ort gewesen. Doch zu diesem Zeitpunkt habe das Haus schon in Vollbrand gestanden. Noch bevor die ersten Retter eingreifen konnten, brachten sich 17 Leute selbst in Sicherheit, wie Hauwiller sagte. Leider längst nicht alle. Stunden später identifizierten die Retter auch mit einer Drohne leblose Körper in der Brandruine.

Das schlimmste Unglück seit Menschengedenken

Wintzenheim liegt nahe Colmar, einer bei Touristen sehr beliebten Stadt unweit der deutschen Grenze und Freiburg. Im abgeschiedenen Ortsteil La Forge steht der 76 Jahre alte Pierre auf einer Straße, er ist sichtlich unter Schock. Gesehen habe er das Feuer am Morgen nicht. Aber: Es sei in der Region das schlimmste Unglück, an das er sich erinnern kann.

Als das Feuer in der Morgendämmerung ausbrach, waren 28 Menschen in dem Haus untergebracht. Die örtliche Präfektur schrieb von zwei Erwachsenengruppen mit Menschen mit Behinderung. Es wurde auch ein Mensch verletzt, ein weiterer stehe unter Schock, hieß es weiter. 300 von 500 Quadratmetern des Hauses fingen Feuer.

Das Haus war renoviert und in «perfektem Zustand»

Ermittlungen sollen nun klären, wie es zu dem Brand kam. Die Justiz vermutet einen Schwelbrand. Das sagte die Vizestaatsanwältin von Colmar, Nathalie Kielwasser, in Wintzenheim. Das Haus bestehe zum Teil aus Fachwerk. Das Holz habe wohl erst nach einigen Stunden wirklich Feuer gefangen.

Daniel Leroy, stellvertretender Bürgermeister von Wintzenheim, sagte: «Wir kennen diese Herberge. Diese Unterkunft hat sehr gut funktioniert und keine Probleme gemacht.» Vertreter der Gemeinde hätten das Haus von innen gesehen. Alles sei renoviert und in «perfektem Zustand» gewesen.

Leroy zufolge brannte das Gewölbe des Hauses, die Bedachung sei eingestürzt. Der gesamte obere Bereich sei zerstört worden. Nur das Erdgeschoss, in dem sich die Gemeinschaftsräume befanden, sei intakt geblieben.

Am Nachmittag reiste Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne in den kleinen elsässischen Ort. Vor Ort nannte sie den Vorfall entsetzlich und sicherte den Familien der Opfer ihre Unterstützung zu. «Das ist ein Drama, das uns mitten im Sommer alle trifft.»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb am Morgen zu dem Brand auf Twitter: «Angesichts dieser Tragödie denke ich an die Opfer, an die Verletzten, an die Menschen, die ihnen nahestehen.» Innenminister Gérald Darmanin dankte der Feuerwehr für ihren schnellen Einsatz.

Einige Feriengäste waren offenbar aus Nancy ins rund zwei Autostunden entfernte Wintzenheim gereist. Der Bürgermeister von Nancy, Mathieu Klein, kondolierte bei Twitter, er sei in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Auch die Erste Bürgermeisterin von Nancys Partnerstadt Karlsruhe, Gabriele Luczak-Schwarz (CDU), zeigte sich betroffen. «Die Nachricht vom tödlichen Feuer in Wintzenheim erschüttert und geht sehr nah.» Karlsruhe fühle sich in diesem Moment Nancy besonders eng verbunden.


Bildnachweis: © Philipp von Ditfurth/dpa
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