31. März 2023 / Aus aller Welt

Keine Freiheit für Oscar Pistorius: Bewährung abgelehnt

Es ist entschieden: Der ehemalige Sportstar Oscar Pistorius kommt nicht frei. Er muss noch mindestens eineinhalb Jahre hinter Gittern verbringen. Die Begründung für die Ablehnung ist besonders.

Oscar Pistorius spricht während einer Anhörung im Obersten Gerichtshof in Pretoria in sein Mobiltelefon (2016).

Oscar Pistorius kommt nicht frei. Mit Spannung hatten viele Südafrikaner am Freitag die Bewährungsanhörung des wegen Totschlags verurteilten früheren Spitzensportlers verfolgt. Vor dem Gefängnis versammelten sich seit den frühen Morgenstunden Medien aus aller Welt. Am Nachmittag kam dann die Nachricht: Die südafrikanische Justizvollzugsbehörde hat eine Freilassung auf Bewährung abgelehnt. Ein neuer Bewährungsantrag könne im August 2024 gestellt werden, sagte die Justizvollzugsbehörde in einer Mitteilung.

Grund für die Ablehnung sei ein bürokratischer Fehler gewesen, sagte ein Sprecher der Behörde, Singabakho Nxumalo. Der 36-Jährige habe noch nicht, wie ursprünglich angenommen, die Hälfte seiner Haftstrafe von 13 Jahren und fünf Monaten abgesessen, die ihm laut südafrikanischem Gesetz automatisch Anspruch auf eine Bewährungsanhörung gewährleistet hätte. Wie es im Vorfeld zu dem Fehler kommen konnte, blieb unklar.

Pistorius hatte in der Nacht des Valentinstags 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp mit vier Schüssen durch die Toilettentür seiner Villa in der Hauptstadt Pretoria getötet. Das Verfahren gegen den unterhalb beider Knie amputierten Pistorius zog sich über Jahre und ging durch mehrere Instanzen. Der ehemalige Athlet hatte 2014 zunächst eine Haftstrafe von fünf Jahren erhalten. Diese wurde 2016 auf sechs Jahre erhöht. Nach nochmaliger Widerrufung durch die Staatsanwaltschaft wurde Pistorius Ende 2017 schließlich zu 13 Jahren und fünf Monaten verurteilt.

Mutter: Ein sehr stressiger Tag

Pistorius sowie die Mutter der getöteten Reeva Steenkamp waren am Freitag vor dem Bewährungsausschuss erschienen. Es sei ein sehr stressiger Tag, sagte Mutter June Steenkamp bei ihrer Ankunft vor dem Gefängnisgebäude. Es sei «sehr schwierig» für sie, mit Pistorius im gleichen Raum zu sitzen.

Die Steenkamp-Familie hatte gegen eine Freilassung auf Bewährung plädiert. Pistorius habe keine Reue gezeigt und es gäbe weiterhin offene Fragen, die er damals im Gericht nicht beantwortet habe. «Wir haben ihm nie geglaubt», sagte June Steenkamp. Zehn Jahre nach der Tat trauerten die Steenkamps noch immer täglich um ihre Tochter, sagte die Rechtsvertreterin der Eltern, Tania Koen, vor laufenden Kameras: «Die Zeit hat ihre Wunden nicht geheilt.»

Die Lebensgeschichte von Pistorius ist so dramatisch – als Film hätte man sie wahrscheinlich als zu überzogen abgetan. Ein internationaler Spitzensportler auf dem Zenit seiner Karriere stürzt tief ab: Nach einer fatalen Nacht wird aus der gefeierten Ikone ein verschmähter Totschläger.

Pistorius und seine damalige Freundin Reeva Steenkamp wurden damals in südafrikanischen Medien als Traumpaar bejubelt: der erfolgreiche, ehrgeizige und markante Sportstar mit dem bildhübschen Model mit Jurastudium am Arm. Sie waren Teil der Elite des Landes, feierten wilde Partys, fuhren schnelle Autos. Doch was der Öffentlichkeit wie ein Märchen schien, wurde in den eigenen vier Wänden zum Alptraum.

Prozess dauert viele Monate

In der Nacht des Valentinstags 2013 erschießt Pistorius die damals 29-jährige Steenkamp. Wenige Stunden später wird er verhaftet. Ein über viele Monate andauernder Prozess beginnt. Die Welt lernt einen traumatisierten Pistorius in Tränen kennen, so sehr in Schock, dass er sich im Gerichtssaal übergibt. Doch je mehr das Gericht die Abläufe der tödlichen Nacht aufdröselt, desto größer das Entsetzen der Öffentlichkeit.

Steenkamp war viermal durch die geschlossene Tür einer kleinen Toilette erschossen worden. Pistorius sagte aus, er habe mehrfach gefeuert, weil er hinter der Tür einen Einbrecher befürchtet habe. Doch die Beweislage sprach gegen ihn. Nach einem Gerichtsfahren durch mehrere Instanzen wurde er wegen «Mordes», was im deutschen Rechtssystem dem Totschlag entspricht, zu mehr als 13 Jahren Haft verurteilt. Für viele Südafrikaner wurde Pistorius zur Hassfigur.

Vor der Tat, die alles änderte, führte Pistorius buchstäblich ein goldenes Leben. Bei Paralympischen Spielen hatte er auf eigens angefertigten Karbon-Prothesen sechs Goldmedaillen gewonnen. Pistorius waren als Kind wegen eines Gen-Defekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert worden. Die L-förmigen Spezial-Prothesen, mit denen er seinen Mitstreitern davonsprintete, verpassten ihm den Spitznamen Blade Runner.

Es war die Geschichte eines Mannes, der trotz widriger Umstände mit harter Arbeit Großes vollbrachte. Im Jahr 2012 erreichte er dann sein ehrgeiziges Ziel: Als erster beidseitig beinamputierter Sportler nahm Pistorius an Olympischen Spielen teil. Über 400 Meter erreichte er sogar das Halbfinale. In Südafrika feierte man ihn damals als Helden.

Nach seiner Verurteilung verschwand Pistorius nahezu komplett aus dem Rampenlicht. Im Gefängnis soll er sich gut geführt haben. Einst erzählte Vater Henke Pistorius der britischen Zeitung «The Times» in einem seltenen Interview, sein Sohn habe im Gefängnis einen neuen Sinn im Leben gefunden. Er leite eine Gebetsgruppe und Bibelstudien für Häftlinge. Der ehemalige Sportler habe einen «positiven spirituellen Einfluss auf seine Mitinsassen», gebe ihnen Hoffnung und nehme oft eine Vermittlerrolle an, wurde Henke Pistorius zitiert. Auch einen eigenen Gemüsegarten hat Oscar Pistorius demnach im Gefängnis anlegen dürfen.

Die Steenkamps denken jedoch nicht, dass Pistorius die Freiheit verdient.


Bildnachweis: © Alon Skuy/TIMES MEDIA POOL/AP/dpa
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