14. Mai 2023 / Aus aller Welt

Jünger und weiblicher: Imkerschaft wandelt sich

Allen gemeinsam ist die Liebe zur Biene: Die Imkerschaft in Deutschland wächst. Auch immer mehr Frauen können sich für das naturnahe Hobby begeistern. Ein Selbstläufer ist die Bienenhaltung aber nicht.

Immer mehr Frauen imkern - so auch Lilian Hurth.

Für Imkerin Lilian Hurth in Wiesbaden hatte der Tag mit einem eher seltenen Schauspiel am Bienenstock begonnen. «Ein Teil ist ausgeschwärmt, die Luft war voller Bienen», sagt die 29-Jährige und erzählt, wie sie die junge Königin vorsichtig eingefangen und samt ihres neuen Volkes in einen frischen Bienenstock gesetzt hat.

Nun beobachtet die Imkerin von einer Holzbank aus das emsige Treiben rund um die Bienenkisten, die in der Fachsprache Beuten heißen. «Oft setze ich mich zum Feierabend mit einem Bierchen hierher», sagt sie. «Mit diesem Hobby bekommt man ein Gespür für die Natur.»

Wie ist sie zum Imkern gekommen? Schließlich galt ja die Beschäftigung mit Bienen früher eher als Alt-Herren-Hobby. «Über meinen Opa», erzählt Hurth. «Er hat dies sehr aktiv im Nebenerwerb betrieben und mich als Kind mit zu den Bienen genommen.» Vor sechs Jahren hat sie einen Imkerkurs belegt, dann ging's los mit den ersten eigenen Völkern.

Imkerschaft verjüngt sich

«Insgesamt gesehen ist die Imkerschaft jünger und weiblicher geworden», sagt der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Torsten Ellmann zum Weltbienentag am 20. Mai. Der Frauenanteil liege inzwischen etwa bei gut 22 Prozent. «Und Frauen sind in der Imkerei oft erfolgreicher», wie Ellmann nach eigenen Worten zugetragen wurde. Zu den Gründen kann er nur spekulieren. «Vielleicht liegt es daran, dass sich Frauen etwas genauer an Konzepte halten und nicht soviel experimentieren.» Imkerinnen seien oftmals auch kreativer bei der Honigvermarktung.

Insgesamt verzeichnet der Deutsche Imkerbund seit mehr als zehn Jahren einen Zuwachs an Imkerinnen und Imkern. In den Jahren 2021 und 2022 habe sich diese Kurve etwas abgeschwächt - was eventuell an ausgefallenen Imkerkursen in der Corona-Pandemie liegen könnte, sagt Ellmann. Die Altersstruktur bei den Neueinsteigern sei ebenso vielfältig wie das Bildungsniveau oder die persönliche Motivation.

«Es gibt einige, die das früher gerne mit den Großeltern gemacht haben, es gibt Menschen die etwas zum Erhalt der Natur beitragen wollen oder auch welche, die sich selbst mit Honig versorgen möchten», berichtet der Imker-Präsident. Andere seien auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung. «Das ist das Schöne an der Imkerei: Dies kann jeder machen, wenn er sich mit der Bienenhaltung auseinandergesetzt hat und die Liebe zu den Bienen entdeckt.»

Das Durchschnittsalter der Imkerinnen und Imker liege inzwischen bei rund 54 Jahren - früher seien dies etwa 65 Jahre gewesen, sagt Ellmann und rät: «Wer Bienen halten möchte, der sollte unbedingt einen Imkerkurs belegen.» Rechtlich vorgeschrieben sei dies zwar nicht, aber überaus sinnvoll für den Erfolg des Hobbys und das Wohlergehen der Tiere. «Es ist nicht so, dass man sagen kann: Bienen und Schafe ernähren den Herrn im Schlafe.»

«Imkern ist eine ernste Sache»

Ellmann verweist auf das Tierschutzgesetz, wonach Tiere fach- und sachgerecht betreut werden müssen. Bei Bienen sei dies im Grunde nur mit dem Wissen aus dem Kurs möglich. Man müsse sich auch mit der Biologie der Honigbiene, der Lebensweise und anderen wichtigen Fragen beschäftigen. Außerdem müssten die Völker bei der Veterinärbehörde angemeldet werden, in manchen Bundesländern auch bei der Tierseuchenkasse.

Auch Imkerin Hurth rät jedem Neueinsteiger und jeder Neueinsteigerin dringend, sich zu Beginn professionelle Hilfe zu suchen. «Imkern ist eine ernste Sache.» Außerdem sei es kein billiges Hobby. Ein gutes, gesundes Volk koste mehr als 100 Euro, dazu kommen die Kosten für die Beuten und weiteres Zubehör. «Die Honigernte ist zwar ein toller Moment im Jahr», sagt Hurth. Jedoch auch körperlich anstrengend. Schließlich könne ein Honigraum mit den gefüllten Waben gut 20 Kilo wiegen.

Auch wenn Bienen schwärmen, ihren angestammten Bienenstock verlassen und schließlich rund um die Königin eine große Traube bilden, ist die Imkerin gefragt und muss die Tiere wieder einfangen.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
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