16. Februar 2022 / Aus aller Welt

Bekommt Europa eigenen Zugang zum All?

Im Gegensatz zu anderen Raumfahrtnationen kann Europa nicht selbst Astronauten ins All bringen. Nun soll Bewegung in die Sache kommen. Gefragt sind dabei auch scheinbar entfernte Experten.

Eine Rakete vom Typ Ariane 5 hebt auf dem europäischen Weltraumbahnhof, dem Guiana Space Center in Kourou, Französisch-Guayana, ab. Europas Weltraumagentur Esa will bei der Frage nach eine...

Die Diskussion um einen unabhängigen Zugang Europas zum Weltraum ist einen Schritt vorangekommen. Eine beratende Expertengruppe soll sich künftig mit der bemannten Weltraumforschung für Europa befassen, wie auf dem Weltraumgipfel in Toulouse am Mittwoch beschlossen wurde.

«Diese Entscheidung wird prägen, wie Europa im kommenden Jahrzehnt aussehen wird», sagte Josef Aschbacher, Chef der Europäischen Weltraumagentur Esa. Im November soll die beratende Gruppe über Fortschritte berichten, im Frühjahr könnte es dann weitreichendere Erkenntnisse geben. Die Gruppe soll aus Fachleuten verschiedenster Gebiete bestehen - etwa auch aus Künstlern und Philosophen.

Der Esa-Chef hatte auf ein politisches Mandat gehofft. Europa kann es sich ihm zufolge nicht leisten, keinen autonomen Zugang zum All zu haben. Gemeint ist die Möglichkeit, selbst Astronautinnen und Astronauten in den Kosmos zu bringen. Europa hat in Kourou in Französisch-Guyana zwar einen Weltraumbahnhof, ein europäisches Raumschiff für bemannte Flüge gibt es aber nicht.

Esa fliegt mit Nasa

Die Astronauten der Esa fliegen derzeit mit der US-Weltraumagentur Nasa ins Universum. Wie es von der Esa hieß, verfügten außer Europa alle großen Mächte im Weltraum über einen eigenen Zugang. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung der vergangenen Jahre machen zudem auch private Anbieter den Weg in den Kosmos möglich.

Europa blieb dabei nach Ansicht Aschbachers zurück. Der Esa zufolge würde die Möglichkeit, Astronautinnen und Astronauten an Bord eigener Fahrzeuge ins All zu bringen, Europas Zukunft im Weltraum sichern.

Die für Raumfahrt zuständigen Minister der Europäischen Union und die Esa berieten auch über den Schutz von Infrastruktur im All und die Kontrolle von Weltraumschrott. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, der den Sitzungen des Esa-Ministerrats und des informellen Treffens der EU-Minister in Toulouse vorsaß, sagte: «Das All ist weder ein Wilder Westen noch ein Mülleimer.»

Auch habe es Diskussionen über die autonome Aufstellung Europas beim Internetempfang gegeben. Die Minister unterstützten zudem Esa-Projekte etwa zur gezielteren Nutzung von Erdbeobachtungsdaten zur Eindämmung des Klimawandels. Ein neuer Weltraumgipfel für 2023 werde anvisiert.


Bildnachweis: © ESA/ZUMA Wire/dpa
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