20. Februar 2022 / Aus aller Welt

ISS-Halbzeit für Astronaut Maurer: Mondflug «großer Traum»

Gut die Hälfte seiner Zeit auf der Raumstation ISS ist für Matthias Maurer vorbei. Die Mission hat für Europas Ex-Raumfahrtchef Jan Wörner inmitten der Ukraine-Krise auch einen politischen Aspekt.

Astronaut Matthias Maurer blickt von der Kuppel der Internationalen Raumstation ISS auf die Erde.
Veröffentlicht am 20. Februar 2022 um 09:33 Uhr

Nach gut drei Monaten im Weltraum ist für Astronaut Matthias Maurer klar: Er würde gern noch höher ins All.

«Auf dem Mond langzulaufen und den Mond zu erkunden, das wird auf jeden Fall ein großer Traum bleiben - und ich hoffe natürlich, dass dieser Traum in Erfüllung geht», sagt der 51-Jährige der dpa zur Halbzeit seiner Mission auf der Internationalen Raumstation (ISS). Der Esa-Astronaut, der am 11. November mit drei Kollegen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zum Außenposten der Menschheit gereist war, soll Ende April zur Erde zurückkehren.

«Haben noch Arbeit vor uns»

Er habe in dem Labor in rund 400 Kilometer Höhe viel gelernt, das er so nicht erwartet habe, erzählt der Saarländer. «Ich dachte eigentlich, man ist ein bisschen autonomer unterwegs.» Aber man brauche «doch fast ständig» die Unterstützung der Boden-Teams für die Umsetzung der Experimente. «Wie wir das auf dem Mond umsetzen, da haben wir noch ein bisschen Arbeit vor uns», meint Maurer.

Für künftige Missionen etwa zum Mars müsse «man sich was überlegen, da es bis zu 20 Minuten dauern kann, bis ein Funkspruch vom Mars auf der Erde ankommt. Und dann natürlich noch mal 20 Minuten, bis man die Antwort hat». Der Mond ist nur einige Tage Flugzeit von der Erde entfernt - der Rote Planet hingegen viele Monate.

In der «Weltraum-WG» ist Maurer aktuell an rund 150 Experimenten beteiligt. Zum Beispiel würden in der Schwerelosigkeit Pflanzen gezüchtet. Ein wichtiger Versuch, auch für Reisen Richtung Mond und Mars - um vor Ort frisches Essen erzeugen zu können. Und es werden neuartige Materialien getestet. «Die Experimente laufen alle hervorragend.» Er selbst sei aber nur «der Ausführende» und werte die Experimente nicht aus - das machten Wissenschaftler am Boden, die sie auch «designed und dann hochgeschickt» hätten.

«Bislang haben fast alle Experimente geklappt», sagt Volker Schmid, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für die Mission zuständig. «Hier und da gab es kleine Änderungen im Zeitplan, aber das ist normal.» Zur Halbzeit ging der Blick auch bereits in Richtung des geplanten Außeneinsatzes: Vermutlich im April soll Maurer mehrere Stunden lang im freien Kosmos arbeiten. «Seine Aufgabe wäre die Betriebsvorbereitung des Europäischen Roboterarms», sagt Schmid. Auch Maurers drei deutsche Vorgänger auf der ISS hatten Außeneinsätze.

Der sogenannte Weltraumspaziergang sei «noch auf der Agenda», sagt Maurer. «Aber wie häufig in der Raumfahrt gibt es natürlich ein paar Fragezeichen.» Es müssten noch Vorarbeiten erledigt werden, damit es dazu komme. «Aber ich bin sehr optimistisch.»

Maurer fühlt sich «pudelwohl»

Nach wie vor fühlt sich der 51-Jährige aus Oberthal auf der ISS «pudelwohl», wie er sagt. «Eigentlich vermisse ich gar nichts so richtig.» Natürlich würde er gerne einmal ins Wasser springen und sich dann waschen oder auch gerne frisches Obst und Salat essen. Aber die Zeit vergehe so schnell. «Das ist unglaublich. Ich bin fast ein bisschen wehmütig, dass ich schon in der Mitte meiner Mission bin.»

Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner hofft, dass Maurers Begeisterung ansteckend ist. «Bei Esa-Flügen geht es zwar nicht um das persönliche Abenteuer, aber der Mensch bleibt unverzichtbar als Vermittler von Faszination und Motivation», ist der ehemalige Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur Esa überzeugt. Ein Mensch könne zudem Schönheit, Zerbrechlichkeit und Zustand der Erde intensiver schildern als etwa eine Raumsonde.

Raumfahrt habe politischen Aspekt

Der jetzige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften verweist auf einen weiteren Aspekt: «Die bemannte Raumfahrt hat auch geopolitische Wirkung.» Inmitten der Ukraine-Krise arbeitet Maurer derzeit mit vier US-Amerikanern und zwei Russen auf der ISS. «Astronautinnen und Astronauten aus verschiedenen Ländern überbrücken die Spannungen auf der Erde.»

Am Wochenende hat Maurer 100 Tage auf der ISS vollgemacht. Was er anfangs gemerkt habe sei, dass es eine gewisse Zeit dauere, bis man sich an die Schwerelosigkeit anpasst habe, sagt der Raumfahrer. Das Gehirn brauche «deutlich mehr Speicherplatz», um sich im dreidimensionalen Raum zurechtzufinden. «Für das normale Arbeiten und Denken hat man dann ein bisschen weniger Gehirn-Kapazität als ich das ursprünglich vermutet hatte.» Daher habe er zu Beginn auch öfter mal kleine Fehler bei den Experimenten gemacht. Da sei gut gewesen, dass das Bodenpersonal ihm «über die Schulter» geschaut habe.

Zu seinem 52. Geburtstag am 18. März plane er ein schönes Essen auf der Raumstation. An dem Tag werden abends drei russische Kosmonauten von der Erde erwartet, so dass sie dann zu zehnt seien. «Dann muss ich mal gucken, dass ich da noch genügend Essen hier habe. Ich möchte natürlich das Beste servieren - ein bisschen Saarländisches.»


Bildnachweis: © NASA/ESA-M.Maurer/dpa
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