12. Mai 2019 / Allgemein

„… sondern für Warendorf und die Warendorfer“

Moderations- und Werkstattverfahren Industriebrache Brinkhaus

Brinkhausinsel,Warendorf,Planung

Christian Havelt setzte das Schlusswort unter eine Diskussion, die so wahrscheinlich erwartet werden konnte – über einen Inhalt, der so ebenfalls wahrscheinlich erwartet werden konnte. Der Investor „hat das gekauft, wissend dass die Stadt die Planungshoheit hat“. Und die Stadt, so Havelt, möge „nicht für den Käufer entscheiden, sondern für Warendorf und die Warendorfer!“

Es geht dabei um das sogenannte „Filetstück“ in Warendorf, die Brinkhaus-Insel oder auch Brinkhaus-Brache. Die alte, seit Jahren nur behelfsmäßig von Feuerwehr und einem Taxiunternehmen genutzte Fläche am schönsten Zuweg in die Warendorfer Altstadt, der Emsstraße. Verfallene Fabrikhallen, eine erhaltungswürdige, denkmalgeschützte Fassade, Altlasten im Boden und mehr, versperren hier seit Jahren eine Aufwertung und bieten allenfalls den Ratten ein gefälliges Zuhause.
Die Stadt will(?) das ändern, ein Investor hat das Gelände gekauft, die Stadt kann bestimmen (oder verhindern) was dieser dort macht. Da das Thema köchelt, wurde ein Moderationsverfahren mit zwei auswärtigen Beratungsfirmen initiiert. Verschiedene Fachgespräche haben stattgefunden, zudem eine – nicht repräsentative –  Bürgerbefragung zu der 1472 Postkarten und 1296 Onlinestimmen eingingen. Im Anschluss an ein Werkstattgespräch mit 30 geladenen Gästen am gestrigen Abend, darunter der Investor, wurden die bisherigen Ergebnisse interessierten Bürgern vorgestellt – ohne Investor.

Der Sophiensaal war gut gefüllt, ein zunächst stilles Publikum wartete auf die Ergebnisse und Erläuterungen. Nachdem das Gesamtkonzept dargestellt war, wurde die Auswertung der 2768 Stimmen und Vorschläge anhand einer sogenannten „Wortwolke“ präsentiert. Sie waren in Stichwörter zusammengefasst, deren Größe die relative Häufigkeit erkennen lassen sollte. „Stadtpark/Natur“ und „Uferpromenade“ ragten heraus, kaum geringer fielen „Gastronomie“ sowie „Sport- und Erlebnisfreizeit“ ins Auge. „Wohnen“ und das gleichgroße Wort „Tourismus“ rangierten noch hinter „Museum/Kultur/Bildung“, winzig waren „Parken“ und „Landgestüt“ zu lesen. Bei der Frage was in Warendorf fehle, zielten die Antworten eindeutig auf „jung“: Jugendliche, junge Erwachsene, junge Familien. Erweitert wurde die erstgenannte Wortwolke durch „denkbare Nutzungen“, in die augenscheinlich tatsächlich alle denkbaren Möglichkeiten bis hin zum (mündlich genannten) „Saturn-Outlet“ eingeschlossen waren. Einige Anmerkungen, so die Erhaltung wichtigen Baumbestandes, fanden allgemeine Zustimmung. Verschiedene Optionen, so z.B. „Weideflächen für das Landgestüt“, scheiden aus Gründen der Praktikabilität aus – die Pferde müssten regelmäßig über die Straße. Andere möglicherweise durch die immer wieder als abgetrennt aber gesetzte Planung des Emsdurchstiches – der allerdings bislang in benannter Form nur präferiert wird und noch nicht durch den Rat beschlossen wurde. Einige Wünsche gelten mangels Finanzierbarkeit als nicht realisierbar.

Die Tendenz der Berater – als Ergebnis aller bisherigen Ergebnisse – wurde schließlich in drei Szenarien zusammengefasst, die in Zukunft weiter ausgearbeitet werden sollen. In allen dreien hatte, in unterschiedlicher Prägnanz, das Thema „Wohnen“ Bedeutung. Daraufhin entspann sich eine lebhafte Zuhörerbeteiligung, die sich zunächst auf drei Fragen beschränken sollte. Darauf ließen sich die Zuhörer allerdings nicht ein, es wurden immer mehr Fragen und Anmerkungen. Allerdings ließen manche davon erkennen, dass manche Menschen es nicht verstehen, das andere Menschen andere Meinungen haben (dürfen). Deutlich wurde allerdings, dass bei vielen der Eindruck „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ entstanden war. Denn die Tendenz der Berater das Thema „Wohnen“ – entgegen den von fast 10% der Bevölkerung geäußerten Vorschlägen – so intensiv einzubeziehen, ließ die Vermutung aufkommen, dass dem vielfach gepriesenen „hemdsärmeligen Investor mit dem man reden kann“, in die Hände gespielt werden soll. Berater Hendrik Freudenau stellte allerdings zu Recht fest: Jede Veränderung auf der Fläche ist besser als der jetzige Zustand!“

Als weitere Veranstaltung ist für den 29. Juni ein Abend wie der gestrige geplant, bei dem erneut zunächst eine geschlossene Perspektiv-Werkstatt mit anschließendem Bürgerdialog stattfinden soll.  Den Abschluss soll eine Bürgerversammlung am 29. August bilden.

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