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Das Mr. Ed‘s hat Pesch gehabt

Das Mr. Ed‘s hat Pesch gehabt

Das Mr. Ed‘s hat Pesch gehabt

Aus! Vorbei! Zum Jahresende wird das Mr. Ed‘s in Warendorf geschlossen. So kündigte es Besitzer Ralf (Ralle) Friedrich gestern an. Auslöser für die Entscheidung ist der Verlauf des Rechtsstreits mit zuletzt nur noch einem Nachbarn. Zwei ehemalige Kläger waren während der zweijährigen Prozessdauer aus dem Verfahren ausgestiegen. Jörg Helm allerdings zeigte sich nicht bereit, die bestehenden Verhältnisse – sprich: den mitunter bei einer Kneipe unvermeidlichen Lärm – viel länger hinzunehmen.
Das Ergebnis ist ein Vergleich, der allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Bis zum Jahresende läuft alles weiter wie bisher. Danach gilt für das jetzige Mr. Ed‘s und seine Nachfolger: Unter der Woche darf der Betrieb nur bis 23:00 Uhr, am Wochenende (Freitag, Samstag und vor Feiertagen) bis 24:00 Uhr laufen. Für ein Seniorencafé ideale Zeiten – für eine Kneipe in heutiger Zeit wirtschaftlich nicht tragbar.
„Aus! Vorbei!“ – Die spontane Reaktion von Ralle Friedrich ist gut überlegt. Denn der lange Rechtsstreit hat ihn ohnehin mehr als nur Nerven gekostet. Dass es überhaupt zur Klage kommen konnte, liegt daran, dass Friedrich das Mr. Ed‘s de jure illegal betrieben hat. Es fehlte die notwendige Gaststättenkonzession, die Räumlichkeiten sind nur als Café bzw. Restaurantbetrieb gestattet. Ein Fauxpas der Stadt, wie diese auch bereits vor Monaten unumwunden einräumte. Und versprach, das zu ändern, sprich: Eine entsprechende Nutzungsänderung in trockene Tücher bringen zu wollen.
Nun kann „eine Stadt“ nicht irgendwelche Versprechen abgeben. Es sind immer Menschen, die dies tun. In diesem Fall war es der städtische Baudirektor Peter Pesch, der vor Pressevertretern zusicherte, die entsprechenden Genehmigungen alsbald zu erteilen. Mehrfach war er im Mr. Ed‘s, erneuerte seine Zusage. Es tat sich: nichts! Auch Bürgermeister Axel Linke versprach, man wolle die Lebendigkeit der Emsstraße nicht sterben lassen.
Das wirft Fragen auf. Wollte „die Stadt“ abwarten, wie das Gericht entscheidet? War es von vornherein geplant, damit eine „elegante“ Lösung zu haben, um sonst auf die Stadt zukommende Probleme abbügeln zu können. War im bekanntermaßen völlig überlasteten Bauamt zu viel (anderes) tun, um diesen Vorgang zu bearbeiten? Haben Ralle und das Mr. Ed‘s einfach Pe(s)ch gehabt? Hat der Bürgermeister keine Zeit, um von seiner Weisungsbefugnis Gebrauch zu machen? Kann man sich als Bürger auf diese Stadt überhaupt noch verlassen?
Auf jeden Fall haben Bauamt und „die Stadt“ nun den „schwarzen Peter“. In den sozialen Medien machte sich gestern bereits Unmut breit, denn das Mr. Ed‘s ist nicht nur irgendeine Kneipe. Mr. Ed‘s ist Kult und Kultur. Mit seinen Auftrittsmöglichkeiten für Künstler hat es sich einen hervorragenden Namen erspielt. Es ist eine der Lebensadern der Warendorfer Gastronomie, des Warendorf Nachtlebens.
Das führt zu weiteren Fragen: Hat jemand eine Idee, wie viele Arbeitsplätze die Schließung kostet? Was werden die bisherigen Gäste in Zukunft machen. Still und leise zuhause vor dem Fernseher sitzen? Die Erziehungsmaßnahme akzeptieren und bei anderen Kneipenbesuchen aufs Rauchen vor der Tür verzichten? Sich nach dem Abend leise winkend voneinander verabschieden und sich verschämt Handküsschen zuwerfen?
Ja wo leben wir denn? – Ach ja, Warendorf!

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