29. März 2024 / Aus aller Welt

Camorra-Boss will mit Justiz zusammenarbeiten

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Gefängnis will ein hochrangiger Camorra-Boss Medienberichten zufolge das Schweigen brechen.

Die Ermittler der Anti-Mafia-Behörde (DIA) mit Sitz in Rom erhoffen sich neue Erkenntnisse durch die Aussagen von Francesco Schiavone.

Nach 26 Jahren im Gefängnis hat der berüchtigte Camorra-Boss Francesco Schiavone italienischen Medienberichten zufolge beschlossen, mit der Justiz zusammenarbeiten zu wollen. Der Begründer und Ex-Pate des in der Provinz Caserta unweit von Neapel aktiven Casalesi-Clans wolle als Kronzeuge mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, melden die Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos unter Berufung auf die zuständigen Anti-Mafia-Behörden. Seit 1998 befindet er sich in Haft.

Der heute 70 Jahre alte Schiavone, alias «Sandokan», soll demnach bereits vor wenigen Wochen die ersten Gespräche mit den Behörden aufgenommen haben. Seitdem er wegen mehrerer Morde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter den für Mafia-Bosse und Terroristen vorgesehenen strengen Haftbedingungen verurteilt wurde, schwieg Schiavone eisern. Die Ermittler erhoffen sich nun detaillierte Erkenntnisse über die Clan-Aktivitäten. Aber auch über mögliche Verstrickungen zwischen der Camorra und der Politik.

Schutzprogramm für Verwandte

Zwei seiner Söhne beschlossen bereits 2018 und 2021, mit den Behörden zu kooperieren. Zwei weitere Söhne befinden sich im Gefängnis. Die Polizei habe Schiavones nicht in Haft sitzenden Verwandten vor wenigen Tagen angeboten, an einem Schutzprogramm teilzunehmen, berichteten Ansa und Adnkronos weiter. 

Die Camorra als eine der berüchtigtsten italienischen Mafia-Organisationen ist in den süditalienischen Provinzen Neapel und Caserta beheimatet und operiert weltweit. Bekannt wurde sie durch das später verfilmte Buch «Gomorrha» des Journalisten Roberto Saviano, der seit der Veröffentlichung 2006 Todesdrohungen erhält und unter Polizeischutz steht. Saviano widmet sich in «Gomorrha» auch den Aktivitäten von Francesco Schiavone.


Bildnachweis: © Annette Reuther/dpa
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