20. Dezember 2022 / Aus aller Welt

Polizei beschlagnahmt tonnenweise illegale Böller

In einer Bunkeranlage an der deutsch-niederländischen Grenze entdecken Ermittler ein Lager mit Dutzenden Tonnen Feuerwerk. Zwei Verdächtige werden festgenommen.

Polizisten vor einer Bunkeranlage in Bad Bentheim. Mit Durchsuchungen in der Grenzregion geht die Polizei gegen den Handel mit illegalen Feuerwerkskörpern vor.
Veröffentlicht am 20. Dezember 2022 um 16:19 Uhr

Wenige Tage vor Silvester haben deutsche und niederländische Polizisten tonnenweise illegale, hoch gefährliche Feuerwerkskörper in der Grenzregion sichergestellt. Die größte Menge der rund 250 Tonnen Pyrotechnik lagerte in einem Bunkerkomplex bei Ochtrup an der Landesgrenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und etwa 20 Kilometer von der niederländischen Stadt Enschede entfernt.

Zwei Tatverdächtige, die mit den illegalen Böllern gehandelt haben sollen, wurden in den Niederlanden festgenommen. Sie galten als Kopf einer Gruppe von Beschuldigten, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück. Es gebe noch weitere Verdächtige.

Brandgefährliches Feuerwerk der schwersten Kategorie

Die Verdächtigen sollen nach Angaben der Ermittler das Feuerwerk in Webshops vor allem in den Niederlanden zum Verkauf angeboten haben. Die Ware konnte dann in Läden in der Grenzregion abgeholt werden. Die niederländische Polizei und die auf der deutschen Seite zuständige Zentrale Kriminalinspektion Osnabrück hatten deshalb ab dem frühen Dienstagmorgen mit zahlreichen Einsatzkräften neben dem Bunkerkomplex bei Ochtrup auch weitere Verkaufsstellen und Geschäftsadressen von Firmen der Verdächtigen in Den Haag, Enschede und Haaksbergen sowie in Bad Bentheim, Ahaus, Papenburg und Kranenburg durchsucht.

«Viel von dem gefundenen Feuerwerk ist für niederländische Verbraucher verboten, weil es zu gefährlich ist», sagte Jack Sijm, Feuerwerksexperte der niederländischen Polizei. Es sei Feuerwerk der schwersten Kategorie gefunden worden wie «Shells», das weder in Deutschland noch in den Niederlanden erlaubt sei. «Shells» seien «lebensgefährlich», sagte der Experte. Die Polizei will nun so viel Feuerwerk wie möglich, das bereits verkauft worden war, wieder bei den Käufern zurückholen. Die beschlagnahmte Pyrotechnik soll sachgerecht vernichtet werden. Der Marktwert der nun sichergestellten Böller belaufe sich auf mehr als 15 Millionen Euro.

9 von rund 100 Bunkern des ehemals militärisch genutzten Bunkerkomplexes bei Ochtrup sollen die Beschuldigten als Lager genutzt haben. Bei der Razzia auf dem Gelände spielte den Ermittlern nach eigenen Angaben auch der Zufall in die Hände: Ein Sattelschlepper, der am Dienstag in einem Seecontainer 25 Tonnen illegale Böller vom Hafen aus Rotterdam anlieferte, rollte den Beamten geradewegs vor die Füße. Auch diese Lieferung sei beschlagnahmt worden, sagte ein Sprecher.

Im Oktober gab es schon elf Festnahmen

Die Durchsuchungen sind der zweite Schlag der Ermittler gegen die Szene in dem Dreiländereck binnen weniger Monate. Bereits im Oktober hatten Ermittler elf Verdächtige in den Niederlanden festgenommen. Damals waren bei Durchsuchungen in der Grenzregion rund 350 Tonnen illegale Böller im Wert von rund 25 Millionen Euro sichergestellt worden. Diese Pyrotechnik soll von China über mehrere Länder in die Niederlande transportiert worden sein.

Um den Handel mit illegalen Feuerwerkskörpern zu bekämpfen, hatte sich die niederländische Polizei nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren verstärkt um eine internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden bemüht - etwa wurde eine Taskforce speziell für verbotene Feuerwerkskörper eingerichtet. In den Niederlanden hatte die Polizei bereits in den vergangenen Wochen tonnenweise illegale Böller beschlagnahmt.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) hatte die vorangegangenen grenzüberschreitenden Durchsuchungen der Ermittlungsbehörden zum Anlass genommen, um auf die Gefahr illegaler Pyrotechnik hinzuweisen. «Illegales Feuerwerk ist kein Spaß, sondern eine lebensgefährliche Bedrohung für Leib und Leben», hatte der VPI-Vorsitzende Thomas Schreiber in einer Mitteilung gesagt. Da Hersteller und Händler von Feuerwerk zuletzt einen Trend zum Abrennen illegaler Pyrotechnik feststellten, wollte der Verband eine verbandseigene Experten-Gruppe einrichten, hieß es Mitte November.

Hohe Belastung der Kliniken an Silvester

Nachdem der Verkauf von Feuerwerk in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland pandemiebedingt verboten war, stellen sich die Kliniken in der Bundesrepublik unterdessen wieder auf ein normales Silvester ein - sprich: eine hohe Belastung der Kliniken wegen Verletzungen.

«Wir müssen davon ausgehen, dass die Krankenhäuser und ihre Notaufnahmen in der kommenden Silvesternacht wieder so stark wie in den Jahren vor der Pandemie mit Feuerwerksverletzungen belastet werden», sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Gesundheitspolitische Sprecher der FDP und der Grünen im Bundestag warnten angesichts der dramatischen Situation in vielen deutschen Kliniken vor einer weiteren Belastung durch Verletzungen mit Silvester-Böllern.


Bildnachweis: © Friso Gentsch/dpa
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