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Wir haben keinen König!

Wir haben keinen König!

Wir haben keinen König!

Nur die allerwenigsten schauten verwundert, als Präses Hermann Josef Vinke bei der gestrigen Krönungszeremonie der Warendorfer Bürgerschützen diesen Satz sagte. „Schon wieder ein Kaiser?“ murmelte eine Frau – augenscheinlich „Zivilistin“ – in der Menge. Sie lag völlig falsch, und die allermeisten Anwesenden wussten es bereits. Auf den Thron des Traditionsvereins gelangte – nach 177 Jahren zum allerersten Mal – eine Königin, die sich nachmittags um 15:37 Uhr mit dem 255. Schuss nicht nur einen, sondern DEN Platz in den Warendorfer Geschichtsbüchern gesichert hat. Johanna Lehmkühler, bezaubernde 19 Jahre jung und im bürgerlichen Leben Psychologie-Studentin in Enschede (Niederlande), ist nicht nur die erste Königin des Vereins – der ja erst vor kurzer Zeit eine Damengarde zugelassen hatte – sondern zugleich auch die jüngste. Sie war der Damengarde erst vor acht Monaten beigetreten. Mit strahlendem Lächeln stand sie bei der Krönung auf der Bühne, nahm allein mit ihrer charmanten Ausstrahlung das Publikum fest für sich ein und bewies, dass dieses wahrhaft historische Schützenfest den bestmöglichen Ausgang genommen hatte.
Auf die Schattenseiten des Festes – die Drohung gegen die gesamte Veranstaltung – ging Präses Vinke bei seinem kurzen „Bericht zur Lage der Nation“ nur für einen kurzen Moment ein. Zu groß war die Freude über die besonderen Wendungen des Festverlaufs, als dass sich die Erinnerung trüben lassen wollte. Er stolperte anlässlich der unerwarteten Entwicklungen mehrfach beim Genus der Begriffe. Heißt es noch „Königsschießen“ oder „Der König ist tot, es lebe der, die – ???“. Vinke entschied sich für „der König“. „Wir haben heute nachmittag keinen König gefunden“ – großes „Oooooh“ des Publikums. „Wir haben eine Königin!“ – donnernder Applaus!
Eine erste Königin wirft natürlich diverse Regularien der Bürgerschützen über den Haufen. Ihr Mitregent konnte, streng genommen, nicht König heißen. Somit wurde ihr Freund Dimitri Umanski, der aus Ahlen stammt – was laut Vinke „nicht so schlimm“ ist – zum ersten „Prinzgemahl“ der Bürgerschützen, darf aber mit „Königliche Hoheit“ angesprochen werden. Königin Johanna muss auch die, laut Vinke ca. 30 Kilogramm schwere, Kette tragen. Dem Prinzgemahl bleibt allerdings das Tragen des Krönchens erspart. Und auch für das Ende der Amtszeit wurde alles geregelt: Johanna wird ins Corps der alten Könige und ihr Prinzgemahl bei den ehemaligen Königinnen aufgenommen werden. Dass Johanna überhaupt zur Königin wurde, haben die Schützen auch ihrem Vater zu verdanken. „Papa hat gesagt: Wenn du das machst – ich bezahle“, erzählte Vinke. „Und dann hat sie‘s gemacht!“
Auch was den Hofstaat betrifft, gibt es nach 177 Jahren Änderungen. Früher wurden immer die Namen der Herren (der Könige) zuerst genannt. Das ist ebenfalls Geschichte! Den Hofstaat 2018/2019 bilden: Anna Schulz mit Daniel Günnewig, Wibke Niemeyer mit Dennis Brüggemann, Lea Dopheide mit Robert Vornhusen, Sina Löbke mit Jonas Koch und Christina Hielscher mit Thomas Jostkleigrewe. Die Insignien hatten Ralph Perlewitz (Krone), Königinvater Harald Lehmkühler (Apfel) und Stephan Bockholt (Zepter) geschossen.

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