30. März 2022 / Aus aller Welt

Biodiversitätspakt noch nicht am Ziel

Bis zum Spätsommer soll ein neuer Pakt zum Schutz von Flora und Fauna fertig sein. Afrika fordert bis zu 700 Milliarden Dollar jährlich von reichen Ländern. Eine Debatte um Geld und Umsetzung.

Ziehende Kraniche verweilen in einem Naturschutzgebiet nördlich des Sees Genezareth im Norden Israels.
Veröffentlicht am 30. März 2022 um 04:29 Uhr

Die Verhandlungen über ein internationales Rahmenabkommen zum Schutz der Artenvielfalt sind in Genf ohne Einigung auf ein unterschriftsreifes Papier zu Ende gegangen.

Um den Text für die geplante Abschlusskonferenz im Spätsommer in Kunming in China fertigzustellen, sollen Ende Juni in Nairobi weitere Gespräche stattfinden. Darauf einigten sich die rund 200 beteiligten Staaten. «Die Vertragspartner haben noch viel zu tun», sagte Elizabeth Maruma Mrema, die Chefin des Sekretariats der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD).

Das Abkommen soll im Rahmen der CBD-Konvention geschlossen werden. Es soll weltweit das Artensterben, die Zerstörung der Natur und den Verlust von Lebensräumen für Flora und Fauna stoppen. Das Ziel ist, 30 Prozent aller Meeres- und Landflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Zur Zeit sind nur rund 8 Prozent der Meere und 17 Prozent der Böden geschützt.

Reiche Länder in der Pflicht

Für die Umsetzung dieser Ziele ist viel Geld nötig, doch über die Höhe der Mittel wird noch diskutiert. Afrikanische Staaten ließen am Dienstag mit der Forderung aufhorchen, dass reiche Länder ihre Hilfszahlungen bis zum Jahr 2030 auf 700 Milliarden Dollar (638 Milliarden Euro) aufstocken sollten, um ärmere Länder beim Naturschutz zu unterstützen.

Das ist wesentlich mehr, als bislang im Verhandlungstext vorgesehen war: Darin ist davon die Rede, dass die globale Finanzierung für Biodiversität von derzeit 160 Milliarden auf mindestens 200 Milliarden Dollar pro Jahr angehoben werden soll. Außerdem sollen umweltschädliche staatliche Subventionen um jährliche 500 Milliarden Dollar gekürzt werden.

Unter den Delegierten herrschte am Ende der rund zweiwöchigen Beratungen auch keine Einigkeit über die Etappenziele, mit denen Fortschritte zum Schutz der Biodiversität gemessen werden sollen. Über die Notwendigkeit und die zeitliche Taktung der Etappen müsse weiter verhandelt werden, hieß es vom CBD-Sekretariat.

Kritik: Biodiversität nicht priorisiert

Umweltorganisationen forderten mehr politisches Engagement von Deutschland und anderen Staaten, um das Rahmenabkommen zum Abschluss zu bringen. «Es ist deutlich spürbar, dass das Thema Biodiversität in den Regierungen nicht die Priorität hat, die es bei der Dringlichkeit dieser Krise bräuchte. Das ist fatal, denn es geht um unsere Lebensgrundlagen», sagte Florian Titze vom WWF Deutschland.

«Die wichtigsten Fragen bleiben weiter unbeantwortet: Woher kommt das notwendige Geld, und wie sollen der Schutz von 30 Prozent der Landoberfläche und der Ozeane umgesetzt werden?», kritisierte Thilo Maack von Greenpeace.


Bildnachweis: © Oded Balilty/AP/dpa
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