10. Februar 2022 / Aus aller Welt

Hohe Dunkelziffer bei Scooter-Unfällen

E-Scooter-Fahren sieht lässig aus, ist aber nicht ungefährlich. Nach einer Essener Klinikstudie dürften die Unfallzahlen merklich höher liegen als bisher offiziell erfasst.

Auf dem E-Scooter durch die Nacht - ohne Helm.

Nach einer Studie der Universitätsklinik Essen verunglücken offenbar mehr Menschen mit E-Scootern als in der offiziellen Statistik erfasst.

Häufig seien Kopfverletzungen die Folge - bei den in der Studie erfassten Fällen hätten die Fahrerinnen und Fahrer fast durchweg keinen Helm getragen. Die Autoren der Essener Unfallchirurgie empfehlen eine Helmpflicht für die Scooter. Als häufigste Unfallursache bei den E-Rollern mit ihren vergleichsweise kleinen Rädern sei der Sturz über zu hohe Bordsteine angegeben worden. Dies solle künftig bei der Verkehrsplanung und beim Ausbau von Fahrradwegen berücksichtigt werden.

Nur selten den Unfall bei der Polizei gemeldet

Für die Studie hatte die große Ruhrgebietsklinik alle Patienten erfasst, die sich vom 15. Juni 2019 bis Ende Oktober 2020 nach E-Scooter-Unfällen in der Notaufnahme gemeldet hatten. In einem zweiten Schritt wurden diese 68 verunglückten Scooter-Fahrer telefonisch befragt, ob sie ihre Unfälle polizeilich gemeldet haben. Knapp drei Viertel (73,5 Prozent) der Unfälle seien nicht polizeilich gemeldet worden, so das Ergebnis. Da in der Essener Notaufnahme-Studie nicht alle, sondern nur schwerer verletzte Scooter-Fahrer erfasst würden, sei insgesamt von deutlich mehr Scooter-Unfällen auszugehen als bisher bekannt.

Offizielle Unfallzahlen hatte das Statistische Bundesamt erstmals Ende März vergangenen Jahres für 2020 mitgeteilt. Demnach gab es in dem Jahr bundesweit 2155 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, 566 davon in NRW und 21 in Essen.

Fahren unter Alkoholeinfluss

Laut der Essener Studie mussten 70 Prozent der verletzten Scooter-Fahrer (48) stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, 20 wurden operiert, 8 kamen auf die Intensivstation. Verletzt wurden am häufigsten Kopf, Halswirbelsäule und obere Extremitäten. Nur einer der 68 verunglückten E-Scooter-Fahrer habe einen Helm getragen, obwohl dies nach mehreren Studien die Verletzungsschwere deutlich verringern könne. Dagegen hätten zum Vergleich berücksichtigte Unfallopfer, die mit dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs waren, im selben Zeitraum in über 50 Prozent der Fälle einen Helm getragen.

Unter Alkoholeinfluss verunglückten laut der Essener Studie 11,8 Prozent der Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer (8). Die Hälfte dieser Alkohol-Unfälle mit E-Scootern hätten schwere Verletzungen durchweg am Kopf zur Folge gehabt. Alle dieser Unfälle passierten am Wochenende oder einem Feiertag. Die Studienautoren empfehlen daher mehr innerstädtische Kontrollen von E-Scooter-Fahrern an Wochenenden.


Bildnachweis: © Henning Kaiser/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Karneval? Kolpinghaus! Die Geschichte geht weiter
Allgemein

Warendorfer Karneval ist für diese Session gesichert

weiterlesen...
Kleiner Hofladen ist in seinen neuen Domizil angekommen
Allgemein

Anja Mertens befreit altes Hofladen-Konzept vom Staub der Zeit

weiterlesen...
WaKaGe feiert rauschenden Auftakt im Hause Allendorf
Allgemein

Prinz Frank I. wird als Hofsänger mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet

weiterlesen...

Neueste Artikel

Wiener Prozess um tote 13-Jährige: Drei Verurteilungen
Aus aller Welt

Mit Drogen haben drei junge Männer ein 13 Jahre altes Mädchen willenlos gemacht und vergewaltigt. Sie starb. «In Österreich haben Frauen und Mädchen ihre Rechte, und das kann ihnen niemand nehmen», betont ein Anwalt.

weiterlesen...
Twitter sperrt Kanye West erneut
Aus aller Welt

Weiter Wirbel um Kanye West: Erneut soll der Rapper sich antisemitisch geäußert haben, sorgt damit für Schock und harsche Kritik - und erntet Konsequenzen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Wiener Prozess um tote 13-Jährige: Drei Verurteilungen
Aus aller Welt

Mit Drogen haben drei junge Männer ein 13 Jahre altes Mädchen willenlos gemacht und vergewaltigt. Sie starb. «In Österreich haben Frauen und Mädchen ihre Rechte, und das kann ihnen niemand nehmen», betont ein Anwalt.

weiterlesen...
Twitter sperrt Kanye West erneut
Aus aller Welt

Weiter Wirbel um Kanye West: Erneut soll der Rapper sich antisemitisch geäußert haben, sorgt damit für Schock und harsche Kritik - und erntet Konsequenzen.

weiterlesen...