17. Oktober 2019 / Allgemein

Von der Totenstraße zum Catwalk

Ausstellung in der 3. Etage des Modeerlebnishauses Ebbers

Von der Totenstraße zum Catwalk

Die Wörter „Mode“ und Modenschau“ sind eng miteinander verknüpft. Ebenso wie der Name Ebbers eng mit Mode verknüpft ist – und auch mit dem Begriff Modenschau.

Wie eng, das zeigt eine Ausstellung in der 3. Etage des Modeerlebnishauses im Herzen von Warendorf. 65 Modehaus Ebbers – das bedeutet zugleich auch 65 Jahre lang immer neue Modenschauen.

Die Ausstellung, die zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden kann, zeigt – neben Damenkleidung ab den 1980er Jahren, die Ebbers in das Hausarchiv aufgenommen hatte – vor allem Rückblicke. Mit Zeitungsartikeln, alten Eintrittskarten und Plakaten lässt die Galerie eine Zeit wieder aufleben, die vom Wirtschaftswunder über die bunten, hippen 70er  und die poppigen 90er mit viel schick und Style, bis in die Gegenwart reicht. Viele Warendorferinnen – hauptsächlich liefen Frauen über den Laufsteg – und einige Warendorfer werden sich wiedererkennen.

Zur Eröffnung machte Rudolf Berger, bis vor wenigen Jahren Seniorchef des Hauses, einen Sprung in die Vergangenheit. Er erzählt aus dem Jahr 1953 und von Rudi und Nanny Berger, die an der Totenstraße (heute: Laurentiusstraße) in Warendorf ein kleines Textilgeschäft namens Ebbers betreiben. „Es gab Textilhändler, keine Mode“, schmunzelt Berger. „Die verkauften zum Beispiel Kittel. Wissen Sie was ein Kittel ist?“, fragt er in die Runde. Mode – das hieß damals hauptsächlich Paris. In den Zeitschriften konnte man sehen, was die Frau von Welt trägt. In Warendorf gab es kein Haus, das diese Bekleidung verkauft. Aber es gab ein traditionsreiches Kaufhaus, das gerade versteigert wurde. „Unsere Chance könnte es sein, das Haus zu kaufen, umzubauen und ein modernes Modegeschäft zu eröffnen“, dachten die Bergers.

Gesagt, getan. Auch Textil wurde hier weiter verkauft. Stoffe, Kurz- und Handarbeitswaren. „Ebbers hat viele Tonnen Teppichwolle verkauft“, lacht Berger. Früher. Der Fokus sollte aber auf der Mode liegen. Aber wie diese Mode an den Mann, bzw. an die Frau bringen? „Wie die Frauen der Region überzeugen, dass Ebbers die aktuelle Mode anbietet?“ Selbst das Gestalten und Schalten der Anzeigen in den vier(!) Tageszeitungen, die Warendorf damals noch hatte, gestaltete sich als schwierig.

Schließlich rieten Kollegen dazu, mit Modenschauen das Interesse der Damen zu wecken. Und so begann die Ebbers-Modenschau-Tradition, die neben der neuesten Mode auch illustre Gäste in die Emsstadt brachte. Selbst Heino war Gast einer Schau, allerdings fand die Jugend der späten 60er keinen Gefallen an ihm und buhten ihn aus. Berger lacht, als er an die vielen Ereignisse zurückdenkt.

Die erste Modenschau fand im Januar 1955 im Bürgerschützenhof statt. Viele weitere folgten und man ging sogar auf Tour, beispielsweise nach Beelen, Freckenhorst und Telgte. Und in andere Locations, ins Kolpinghaus, in Autohäuser. Sogar in einem Zirkus wurde 2003 ein Catwalk aufgebaut. Auch das Theater am Wall war bereits Gastgeber und das zu einem besonderen Film: Mitglieder der Tanzschule Ingrid liefen in der Pause – damals gab es noch Pausen zum Wechsel der Filmrollen – über den Catwalk und präsentierten aktuelle Trends aus dem Hause Ebbers. Der Film hieß „Der Teufel trägt Prada“.

Es gab Profis unter den Modellen, aber auch viele Amateure und Amateurinnen aus der Region. Es gab Modelcastings im Voodoo und im Village – alles Namen, die heute längst Vergangenheit sind. Anders als das Modehaus Ebbers, das sich seit langem – aufgrund der vielen Events und der zukunftsfähigen Konzeption – Modeerlebnishaus Ebbers nennt. Allein im Jahr 2019 hat es hier bereits sechs Modenschauen in geschlossenen Gruppen gegeben, Landfrauen, KFD und viele andere lieben diese lockere Art und Weise des Modeerlebnisses.

Die nächste große Fashion-Night, die mit 30 Metern den bisher längsten Laufsteg im Haus bietet, findet am 8. November statt. Eintrittskarten sind bereits erhältlich.

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